Zum zweitenmal innerhalb von 14 Monaten hat König Hassan II. von Marokko am Mittwoch voriger Woche einen Mordanschlag überlebt. Der Drahtzieher des Putsches, Oberbefehlshaber und Verteidigungsminister Oufkir, beging noch in der Nacht zum Donnerstag in Gegenwart zweier königstreuer Offiziere Selbstmord,

Nach den spärlichen und zum Teil widersprüchlichen Meldungen war allein die Luftwaffe an dem Attentat beteiligt. Der König flog am Mittwoch in seiner dreistrahligen Boeing 727 von einem Besuch in Frankreich zurück nach Rabat. Kurz vor Tetuan soll sich ein vierter Jagdbomber vom Typ F 5 (Freedom Fighter) in die Eskorte eingereiht haben. Die vier Maschinen griffen dann das Flugzeug mit Bordwaffen und Raketen an.

Angeblich hat Hassan geistesgegenwärtig den Funker angewiesen, nach Rabat zu melden, daß der König schwer verletzt und ein Pilot getötet sei. Daraufhin hatten die (mithörenden?) Jagdbomber den Angriff abgebrochen. Andere Quellen wollen wissen, sie hätten das Feuer eingestellt, weil die Maschine schon über dem Festland war, der Absturz also leicht als Attentat erkannt und nicht als Unglücksfall über dem Meer deklariert worden wäre.

Der Pilot landete die schwerbeschädigte Maschine sicher in Rabat-Salé (und wurde von Hassan mit dem Posten des Luftwaffenchefs belohnt). Der König nahm dann wie geplant die Parade ab, mußte aber in einen Wald fliehen, als die vier Piloten ihren Irrtum erkannten und den Flughafen angriffen. Dabei wurden acht Menschen getötet und über 40 verletzt, darunter vier Minister.

Die Piloten der am Zwischenfall beteiligten Maschinen wurden nach ihrer Landung auf dem Stützpunkt Kenitra festgenommen.

Drei Unteroffiziere und zwei Offiziere flohen mit dem Hubschrauber nach Gibraltar. Während die Unteroffiziere freiwillig heimkehrten, lieferte London die Offiziere an Marokko aus – zur Empörung der britischen Presse, denn zwischen London und Rabat gibt es keinen Auslieferungsvertrag. Die Eile der britischen Regierung erklärt sich aus der prekären Lage des Felsens: Seit der spanischen Blockade ist Gibraltar auf Arbeitskräfte und Versorgung aus Marokko angewiesen.

Über die Rolle Oufkirs, der in seinem berberischen Heimatdorf wie ein Selbstmörder beigesetzt wurde, gab Rabat offiziell nur wenig bekannt. Er soll geplant haben, den neunjährigen Sohn Hassans auf den Thron zu setzen und als Regent alle Macht an sich zu reißen. Heute gilt seine Beteiligung an dem Putschversuch vom Juli 1971 als sicher. Damals drangen 1400 offenbar falsch informierte Kadetten in den Sommerpalast des Königs ein, eröffneten das Feuer auf die Geburtstagsgäste Hassans, warfen aber die Waffen fort, als die den König erkannten. Oufkir seit diesem Tag unbestritten Marockos starker Mann, ließ angeblich beteiligte Offiziere in aller Eile hinrichten – um zu verhindern, so heißt es jetzt, daß sie seine Beteiligung aufdeckten.