Wie es zur Kostenexplosion bei den Olympia-Bauten kam

Von Hermann Bößenecker

Rudolf Eberhard resümiert: "Sie sind ihren Preis wert." Doch der ehemalige bayerische Finanzminister, heute Vorstandsmitglied der Bayerischen Vereinsbank, muß einen Seufzer unterdrücken, wenn er eine vorläufige finanzielle Bilanz der Olympischen Spiele zieht, die am Wochenende in München beginnen. Was bleibt dem unermüdlichen Schatzmeister des Organisationskomitees auch anderes übrig, als die horrenden Kostensteigerungen zu verteidigen?

Eberhard verhehlt nicht, daß ihn dieser Kostenboom für die "heiteren Spiele" keineswegs kalt läßt. Doch sieht er das Zeltdach, das nunmehr auf mindestens 188 Millionen Mark veranschlagt wird, von der Finanzierung her als "einzigen groben Schönheitsfehler" an. Er kritisiert, daß das Architektenteam mit Professor Günter Behnisch an der Spitze den Beschlußgremien nicht von Anfang an reinen Wein eingeschenkt habe. "Wenn bei der Entscheidung 1969 auch nur 80 Millionen Mark Gesamtkosten festgestanden hätten, wäre das Dach nicht gebaut worden." 1967, bei der Planung, war sogar nur von 18 Millionen die Rede.

Im Hause der Olympia-Baugesellschaft (OBG) regt man sich über solche vorolympischen Querelen nicht mehr besonders auf. Man hat Schlimmeres hinter sich. Offenbar hoffen die Bauplaner, daß die Freude an dem "architektonischen Wagnis", mit dem man kühn "Neuland betreten" und eine "Zukunftsvision" aufgerichtet habe, allmählich doch die Kritik an den Kosten vergessen läßt. Chef-Olympier Willi Daume jedenfalls schwärmt: Das Zeltdach sei "trotz seiner gewaltigen Größe ein Antimonument, und es gibt durch seine Transluzenz einen Hauch von der Heiterkeit, die über dem Festplatz der Olympischen Spiele liegen sollte".

Die OBG hat für dieses teuerste Dach der Welt mit den sechs beteiligten Firmen einen Selbstkostenerstattungsvertrag abgeschlossen – im August 1969 hatte niemand geglaubt, daß man bei dem vorliegenden Festpreisangebot von 140 Millionen Mark ein "Geschäft" machen würde. Da die Rechnungen mit mehrmonatiger Verspätung vorgelegt werden, steht die endgültige Summe noch nicht einmal fest. "Bezahlt haben wir bisher effektiv 160 Millionen Mark", berichtet Otto Hermann Grüneberg, kaufmännischer Leiter der Baugesellschaft. Rechnet man die 17,4 Prozent Nebenkosten einschließlich des Architektenhonorars hinzu, so ergibt dies 188 Millionen Mark – bis jetzt. Die "Süddeutsche Zeitung" kam bereits auf einen Gesamtpreis von 195 Millionen.

Die Funktionäre forderten