Plötzlich ist alles anders in Nahost. Auf einmal ist Amerika für Ägypten nicht mehr der "Hauptfeind"; eher schon ist dies, nach den anhaltenden Attacken der Kairoer Presse zu urteilen, die Sowjetunion. Auch setzt Präsident Sadat überraschenderweise nicht mehr auf die Vermittlungshilfe der Vereinten Nationen, sondern eher auf das Gleichgewichtsinteresse der Vereinigten Staaten. Nachdem die sowjetische Karte nicht stach, versucht es Kairo nun mit der amerikanischen.

Auch Israel scheint sich auf die neue Situation einzustellen. Verteidigungsminister Dayan, bislang als "Falke" abgestempelt, rief Erstaunen mit einem Suez-Angebot hervor: Rückzug der israelischen Truppen bis zu einer Linie etwa in der Sinai-Mitte als ersten Schritt zu einer Friedensvereinbarung.

Eine Wende in Nahost? Vorsicht ist geboten. Fraglich bleibt, ob Sadat stark genug ist, das Risiko einer politischen Lösung einzugehen. Ungewiß ist, ob sich Israels Regierung noch vor den Wahlen im kommenden Jahr binden will. Zeit benötigen auf jeden Fall alle Vorstöße zu Interimsabkommen wegen der Präsidentschaftswahlen in den USA.

Zur Zeit werden nur Signale ausgetauscht. Sie verheißen noch nicht Frieden. Sie künden lediglich an: Krieg ist jetzt weniger wahrscheinlich. Auch das ist freilich schon eine gute Nachricht.

D. St.