Auch nach dem Gespräch mit Willy Brandt und der vorläufigen Klärung seines Verhältnisses zur SPD verwirrt Karl Schiller die Gemüter. Kein Wort soll wahr sein von dem, was der stern über das Treffen zwischen ihm und Barzel zu berichten weiß. Der eine will keinen Ministerposten in einem CDU/CSU-Kabinett verlangt, der andere einen solchen Posten nicht angeboten haben. Indes, nachdem Schiller wochenlang und öffentlich alle Möglichkeiten seiner weiteren politischen und persönlichen Existenz erwogen und nachdem ihm die Union nicht sofort und eindeutig die kalte Schulter gezeigt hat, sind Zweifel an seinem Dementi und dem Barzels erlaubt.

Doch gleichgültig, wer bei wem kräftiger auf den Busch geklopft hat – sicher ist auf jeden Fall, daß bei der CDU die Abneigung immer rascher wächst, Schiller in die eigenen Reihen aufzunehmen, nicht zu reden von einem Platz an vorderster Stelle. Und bei der SPD verstärkt das Verwirrspiel den Unmut und das Drängen, über Karl Schiller endgültig zur Tagesordnung überzugehen, ob er nun Genosse bleibt oder nicht.

Unter diesen Umständen nimmt sich die Aussprache mit Brandt nicht als Neuanfang, sondern als Schlußpunkt aus – was immer sich der Kanzler und sein ehemaliger Wirtschafts- und Finanzminister von diesem Treffen versprochen haben mögen. Wenn Schiller nach dem selbstinszenierten Hin und Her in den beiden großen politischen Lagern überhaupt noch eine Rolle spielt, dann aus wahltaktischen Motiven. Im Grunde ist er bei der SPD schon abgeschrieben, bei der CDU nicht mehr willkommen. C. C. K.