Gerüchte aus USA und London ließen die Manager der europäischen "Airbusindustrie" in Paris hochschrecken. Der Inhalt jener gezielt lancierten Meldungen bedeutete, daß dem mit Millionen Steuergeldern geförderten europäischen Kurzstreckenjumbo "Airbus" A 300 B Konkurrenz erwachsen könnte. Die potentiellen Konkurrenten, die auch als Urheber der Gerüchte vermutet werden, sind die US-Konzerne – Lockheed und McDonnell-Douglas.

Noch ehe sich das Gerücht ausbreiten konnte, reagierten die europäischen Flugzeugbauer. In Paris stellte sich der Verkaufschef der Airbus Industrie, Didier Godechot, der Presse. Der Franzose über das erste europäische Gemeinschaftswerk: "Wir liegen gut im Rennen und haben die Konkurrenz nicht zu fürchten."

In der Entwicklung des Kurzstreckenjumbos (230 bis 345 Sitzplätze)s sind die Europäer den Amerikanern in der Tat um mindestens zwei Jahre voraus. In der Verkaufspolitik allerdings wähnt man sie um Jahre hinter den Jumboverkäufern aus USA zurück. Beim Verkauf des teuren Vogels (rund 50 Millionen Mark), der um drei Millionen Dollar billiger ist als andere vergleichbare Flugzeuge, wird sich aber das Rennen um die Gunst der Käufer entscheiden. 420 Airbusse müßten verkauft werden, um Anfang der achtziger Jahre in die schwärzen Zahlen zu kommen. Bisher aber sind erst 13 Stück bestellt, für weitere 18 sind Optionen erteilt worden. Bestellungen der Lufthansa werden in den nächsten Wochen erwartet.

Daß nicht schon mehr verkauft worden sind, besagt freilich nicht viel, denn nach Meinung der Airbusexperten wird der Bedarf nach vergleichbaren Flugzeugen für kurze Strecken erst in zwei bis drei Jahren akut. Zu diesem Zeitpunkt könnten jährlich mindestens 44 Stuck vom Band laufen. Über den vorhandenen Markt für den Europajumbo macht sich Verkaufschef Godechot keine Sorgen. Die gesamte Nachfrage für Flugzeuge vom Typ A 300 B wird bis 1985 auf 1380 Stück geschätzt.

Von diesem Markt wollen sich die Europäer (Unternehmen aus Frankreich, der Bundesrepublik, England, Holland, Spanien sind an dem Projekt beteiligt) gut ein Drittel sichern. Auch ohne den amerikanischen Markt glaubt man 420 Stück verkaufen zu können und damit aus der Verlustzone zu kommen. Sollten auch US-Gesellschaften für ihre Kurz- und Mittelstreckendienste zugreifen, ließen sich dort noch zwischen 50 und 150 Airbusse verkaufen. Optimist Godechot schätzt sogar 200 – diese wären das Salz für die Suppe, denn ob das Gewinnlimit 1985 wirklich schon bei 420 Exemplaren liegt, weiß heute niemand genau. hff