Die relative Währungsruhe bekommt dem deutschen Aktienmarkt schlecht. Da von einer Flucht in die Mark keine Rede mehr sein kann, fehlen auch die Kaufaufträge der Ausländer am Aktienmarkt. Wenn sich Ausländer in deutschen Wertpapieren engagieren, tun sie es gegenwärtig fast ausschließlich in den auf Mark lautenden Auslandsanleihen, die zur Zeit zu Zinssätzen von 6 1/4 Prozent angeboten werden. Offenbar scheuen die Ausländer das in den kräftig gestiegenen deutschen Aktienkursen enthaltene Risiko. Sie treffen sich da mit großen deutschen Anlagegruppen, die ebenfalls seit Wochen auf Sicherung ihrer bisher erzielten Gewinne bedacht sind. Jedenfalls waren in den letzten Tagen zum erstenmal seit langer Zeit auch wieder Aktienverkäufe ausländischer Investoren zu beobachten.

Die deutschen Kreditinstitute versuchen ihre Wertpapierkundschaft bei der Stange zu halten. Sie weisen darauf hin, daß das vergleichsweise hohe Niveau (der Abstand zu den Höchstkursen des Jahres 1969 beträgt nur etwas mehr als achtProzent) zunehmend durch die Ertragsentwicklung der Unternehmen untermauert wird. Je nach Wunsch wird der Kundschaft versichert, daß die Ruhe an der Währungsfront zur Absicherung der Kurse beiträgt oder daß die nächste Währungskrise (mit neuen kurstreibenden Ausländerkäufen) bestimmt kommt, spätestens im Zusammenhang mit der bevorstehenden Weltwährungskonferenz.

Die Börsianer sind mit solchen Sprüchen heute nicht mehr zu beeinflussen. Sie wissen, daß die deutsche Börse nach einem Anstieg von nunmehr neun Monaten zwangsläufig in eine kritische Situation – genannt Konsolidierungsphase – geraten muß, von der absolut nicht feststeht, ob sie das Ende der Hausse darstellt. Deshalb werden die Unternehmensberichtekritisch studiert. Zur Überraschung vieler fand der BASF-Halbjahresbericht trotz seines kräftig gestiegenen Gewinnausweises keineswegs ein uneingeschränkt positives Börsenecho. Die Analysten stießen sich an der Feststellung, daß sich das Gewinnwachstum im II. Quartal abgeflacht hat. Kein Wunder, wenn der Aufschwung der Aktien der Großchemiewieder einmal im Keime erstickt worden ist.

Der Börsenberufshandel holt seine Kursgewinne gegenwärtig auf den Nebenmärkten, die eng sind und wo es nicht viel Mühe macht, die Kurse nach oben und unvorsichtige Kunden hineinzudrücken. Den letzten beißen hier die Hunde... K. W.