Streit um Adenauer-Siedlung

Köln

Also sprach der alte Herr Konrad Adenauer: "Man kann mir kein schöneres Geschenk machen, als diese Siedlung nach mir zu benennen."

Das war bei der Grundsteinlegung im Bundestagswahlkampf 1965. Und heute weiß jedermann in Köln, was und wo die "Konrad-Adenauer-Siedlung" mit ihren 10 000 Seelen ist. Doch das Geschenk hat dem inzwischen verblichenen Altbundeskanzler der SPD-beherrschte Stadtrat nicht gemacht.

Seit sieben Jahren sträubt sich die Kölner SPD, den damals in den Ratsferien von einer CDUnahen Wohnungsbaugesellschaft im Handstreich eingeführten Namen "Konrad-Adenauer-Siedlung" anzuerkennen. SPD-Fraktionsvorsitzender John van Nes Ziegler warnte vor "östlichem Personenkult": "Adenauer kann jede Prachtstraße in Köln haben. Aber doch keinen Stadtteil."

Die SPD-Mehrheit entschied, als die CDU im Stadtrat einen entsprechenden Antrag einbrachte, auf "Schluß der Debatte". Aber sie entschied nicht über den Antrag. Den stellte Oberbürgermeister Burauen gar nicht zur Abstimmung.

Seitdem ist die "Konrad-Adenauer-Siedlung" offiziell ohne Namen. Die Stadtverwaltung behilft sich mit der Bezeichnung "Neu-Brück", die ebenso illegal ist, weil vom Stadtrat nicht beschlossen. Stadtverwaltungsmann Franz Braun (CDU), Herr über die Kölner Straßen, ließ abweichend davon im Wahlkampf 1969 auf eigene Faust städtische Hinweisschilder aufstellen. Aufschrift: "Konrad-Adenauer-Siedlung." Brauns Rechtfertigung: Die Siedlung trage "im Volksmund" längst den Namen.

Obwohl das stimmt, laufen SPD-Stadtverordnete seit zwei Jahren pflichtbewußt gegen die Schilder Sturm. Ihr Parteigenosse Heinz Mohnen, Verwaltungschef, deckt ebenso pflichtbewußt seinen CDU-Untergebenen: Die Schilder seien unschädlich, "weil nicht rechtsverbindlich".

Streit um Adenauer-Siedlung

Entschieden nein zu sagen und die Schilder zu entfernen, traute die SPD sich in den Wahlkämpfen 1965 und 1969 nicht. Die Rücksichtnahme auf Wählergefühle erwies sich jedoch beide Male als völlig unbegründet: Die SPD errang stets hohe Wahlerfolge – auch in der von der CDU-nahen DEWOG (Chef: Minister a. D. Paul Lücke) gebauten und von prominenten CDU-Mitgliedern bewohnten "Konrad-Adenauer-Siedlung". Friedrich K. Kurylo, Lokalredaktion des

"Kölner Stadtanzeiger"