Eine Raumsonde, die auf dem Jupiter landen oder durch die Atmosphäre dieses Planeten hindurchfliegen soll, müßte sorgsam sterilisiert werden, ehe sie auf ihre lange Reise geschickt wird. Denn auf dem Wandelstern können wahrscheinlich Mikroorganismen, die von der Erde stammen, weiterleben. Der Himmelskörper wäre nach einer solchen Besiedlung nicht mehr so "unberührt", wie man ihn studieren möchte.

Die Vermutung, daß irdische Kleinstlebewesen auf dem fernen Planeten eine reale Überlebenschance hätten, beruht auf Experimentalergebnissen, die zwei amerikanische Biologen, P. Molton vom Ames Research Center in Kalifornien und C. Ponnamperuma von der Universität Maryland, in der Zeitschrift "Nature" (Band 238, S. 217) veröffentlicht haben.

Die beiden Forscher stellten im Labor eine Gasmischung her, die in ihrer Zusammensetzung (56 Prozent Wasserstoff, 43 Prozent Helium, 0,5 Prozent Methan und 0,5 Prozent Ammoniak) der Jupiter-Atmosphäre entsprach. In dieses Gemisch, das in mehreren Behältern verschiedenen Temperaturen und Drucken ausgesetzt wurde, die sieben verschiedenen Höhenschichten der Jupiter-Atmosphäre entsprachen, hatten die Experimentatoren Bakterien des Typs Escherichia coli (Bewohner des menschlichen Darms) und drei anderer Arten eingeschlossen. In denjenigen Behältern, in denen Bedingungen herrschten, die der Hochatmosphäre des Jupiters entsprachen, überlebten mehr als die Hälfte der Mikroorganismen einen 24stündigen Aufenthalt. V. G.