Den psychischen Einstellungen, die uns der Kulturprozeß aufnötigt, widerspricht der Krieg in der grellsten Weise, darum müssen wir uns gegen ihn empören, wir vertragen ihn einfach nicht mehr, es ist nicht bloß eine intellektuelle und affektive Ablehnung, es ist bei uns Pazifisten eine konstitutionelle Intoleranz...

Sigmund Freud

Klassen-Musik

Bis auf den Tanzboden wird in der DDR dem Bürger nachgestellt. Weil in den Diskotheken – wie hierzulande–zumeist Tanzplatten nur zum Amüsement abgespielt werden und weil dabei DDR-Produktionen gegenüber westlichen Importen schlecht abschneiden, müßte der Musikbetrieb nach Ansicht des FDJ-Organs "Junge Generation" endlich staatsdienlicher gestaltet werden. Diskjockeys sollten zwar auch künftig nett plaudern, treffend über Musik urteilen und ein flottes Programm zusammenstellen können; darüber hinaus aber müßten sie "einen klaren Klassenstandpunkt" vertreten. Deshalb sollten alle Musikmacher durch einen vom Zentralhaus für Kulturarbeit ausgearbeiteten verbindlichen Lehrgang eine einheitliche Ausbildung erhalten. Die FDJ erhofft sich davon, daß die getrimmten Jockeys mit ihrer Klassen-Musik besser als bisher "zur Entwicklung allseits gebildeter sozialistischer Persönlichkeiten" beitragen.

Eltern aktivieren

Daß ihnen der Erziehungsauftrag und das Recht auf Mitbestimmung im Schulwesen im Grundgesetz zugesprochen und seitdem in vielen Einzelbestimmungen der Länder bestätigt wurde, ist den meisten Eltern nicht bewußt. Der Bundeselternrat in Bonn (BER), die Arbeitsgemeinschaft der Elternvertretungen in den Ländern, will deshalb die Eltern aktivieren und "zum Handeln veranlassen". Dazu beitragen soll ein neuer Mitteilungsdienst, die "BER-Informationen", die sich an Elternvertretungen auf allen Ebenen wenden, in Land, Kreis, Stadt und an der einzelnen Schule. Durch Nachrichten und Dokumentation sollen die erforderlichen Kenntnisse über aktuelle Erziehungsprobleme vermittelt werden, und auch die Öffentlichkeit wird erfahren, was der BER so treibt. Grundprinzip des Elternrates: Die Erziehung soll die "Kinder befähigen, kritisch und verantwortlich in der demokratischen Gesellschaft mitzuarbeiten".

Proteste gegen Fonda und Montand

Filmschauspieler dürfen ein bewegtes Sexleben haben und Skandale entfachen, sich aber nicht politisch engagieren: so will es die Branche und oft auch die öffentliche Meinung. Durch die Hanoi-Reise Jane Fondas verärgert, boykottierten amerikanische Kinobesitzer ihre verfilmte Anti-Kriegs-Show "F.T.A." (Free the Army), mit der sie, Donald Sutherland, Peter Boyle und andere in US-Garnisonen gegen den Vietnamkrieg protestierten. Der Film wurde auf Eis gelegt. Und weil er (mit Jane Fonda als Partnerin) in Godards neuem Film "Tout va bien" über einen Spontanstreik sich für eine Verunglimpfung von Gewerkschaftlern hergegeben habe, muß sich Yves Montand – nicht der Regisseur Godard – "dümmliche Methoden" vorwerfen lassen. So steht es in einem Brief der französischen Gewerkschaft C. G. T. an den Schauspieler. Eines erreichen solche Methoden in jedem Fall: die finanzielle und die Image-Schädigung der aufmüpfigen Mimen und die Abschreckung anderer, sich politisch zu artikulieren oder gar zu betätigen.