Von Hans-Jürgen Haug

In seinem bemerkenswerten Briefwechsel mit der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft über Fragen der Wehrkunde zürnte der (ehemalige) Bundesverteidigungsminister Helmut Schmidt: „Beobachtungen zeigen, daß sich Verbände im schulischen Bereich etablieren oder wirksam sind, die unterschiedlos jeden Wehrunwilligen in besonderen Schulungen regelrecht auf Kriegsdienstverweigerung einpauken und sich öffentlich hierzu anbieten.“ Obschon unzulässig verallgemeinernd, hatte der Minister auch Richtiges beobachtet. In der Tat versuchten Kriegsdienstverweigerer in den Vorschulen der Nation Einfluß zu gewinnen, um zu den Werbevorträgen von Jugendoffizieren im Gemeinschaftskundeunterricht ein Gegengewicht herzustellen. Überdies veranstalten verschiedene Verbände – selbstverständlich außerhalb der Schulen – Beratungsstunden, in denen Wehrunwillige auf Fragen und Fangfragen der staatlichen Prüfungsgremien vorbereitet werden.

Vorbereitung auf das Anerkennungsverfahren, dem sich hierzulande noch immer jeder Kriegsdienstverweigerer unterziehen muß, ist auch erklärte Absicht des Buches:

Winfried Schwamborn: „Handbuch für Kriegsdienstverweigerer“; Pahl-Rugenstein Verlag, Köln 1972; 150 S., 9,80 DM.

Schwamhorn ist Vorstandsmitglied der „Deutschen Friedensgesellschaft – Internationale der Kriegsdienstverweigerer (DFG–IDK)“. Wie der Titel seines Buches andeutet, versteht er es als Ratgeber, als Wegweiser durch den Dschungel von Vorschriften und Paragraphen, wobei von „auf Kriegsdienstverweigerung einpauken“ freilich keine Rede sein kann. Dergleichen würde sowohl den politischen Intentionen des Autors widersprechen als auch die Chancen der Antragsteller, als Kriegsdienstverweigerer anerkannt zu werden, erheblich mindern.

Auf den ersten 68 Seiten des übersichtlich gegliederten Bandes geht es um Wehrerfassung und Eignungsprüfung, Zurückstellung und Anerkennungsverfahren, Formen und Fristen, kurz: um die rechtlichen Grundlagen der Kriegsdienstverweigerung. Hier kommt dem Buch die jahrelange Beraterpraxis seines Autors zugute.

Im zweiten Teil begründet Schwamborn die politische Bedeutung der Kriegsdienstverweigerung. Die Bundeswehr, erläutert er, sei Ausbildung zur Mißachtung des Menschenlebens und der Menschenwürde. Zum Beweis zitiert er aus dem offiziösen „Taschenbuch für Wehrausbildung“: „Der Soldat faßt den Spaten am Ende des Spatenstiels und schlägt mit voller Kraft auf den Feind ein. (...) Außerdem sind Schläge gegen Genick und Nierenpartien besonders wirksam.“