Noch laufen die Gespräche. Der angestrebte Grundvertrag zwischen der Bundesrepublik und der DDR soll eine Normalisierung zwischen beiden deutschen Staaten einleiten, die politische Situation entkrampfen, die Bürger von diesseits und jenseits der Elbe einander wieder näher bringen. Am Ende wird dann für Bonn und Ostberlin die Aufnahme in die Vereinten Nationen stehen und die internationale Anerkennung der DDR. So weit, so gut.

Doch während Bahr und Kohl noch um Kompromiß und Komma ringen, verstärken die DDR-Behörden im Eilgalopp ihre Grenzsicherungsanlagen zur Bundesrepublik. Politische Schranken werden abgebaut, die physischen Barrieren aber wachsen noch höher. Sie nennen es „moderne Grenze“: drei Meter hohe Metallgitterzäune von Travemünde bis Hof, vor Ortschaften Sichtblenden aus betonierten Fertigteilen nach Berliner Mauer-Muster, dahinter ein durchgehendes metertiefes Grabensystem als Fahrzeugstopp, Lichtstraßen und Alarmfallen.

Der Blick in die Bundesrepublik wird zugemauert, der Sprung in den Westen endgültig verhindert. Die technisch perfektionierte Trennung soll Minengürtel und Drahtverhau überflüssig machen, den Schußwaffengebrauch auf Flüchtende vermindern: Stacheldraht, Schüsse und explodierende Tretminen passen schlecht in das selbstgemalte Bild vom friedlichen Sozialismus.

„Moderne Grenze“? Eine Manifestation der Hilflosigkeit, des permanenten Mißtrauens gegenüber dem eigenen Bürger. Der Widerspruch zwischen kommunistischem Anspruch und seiner täglichen Wirklichkeit – technisch sauber dargestellt. S. B.