ZDF, Sonntag, 27 August: „Personenbeschreibung“, von Georg Stefan Troller Georg Stefan Troller, vom WDR zum ZDF übergewechselt, hat sich nicht auch selber ausgewechselt: Er ist einer der intelligentesten Fernseh-Feuilletonisten geblieben, ein Mann mit sicherem Gespür für die gegenseitige Abhängigkeit von Filmtext und Filmbild, für den Rhythmus des Schnitts, für die krampflose Integration nunmehr auch elektronischer Elemente, für die Ergiebigkeit scheinbar abwegig privater Interview-Fragen – jeder Meter seiner Filme unverwechselbar Troller.

Wenn, wie diesmal, sein Gegenstand Robert Crumb ist,-der Schöpfer von „Fritz the Cat“, des kritischsten und erwachsensten aller Erwachsenen-Comics, den noch zum „Underground“ zu rechnen einem angesichts seiner nach Hunderttausenden zählenden Auflage schwerfällt – wenn sein Gegenstand eine so ungesprächige, allem Publicity-Exhibitionismus ungeneigte Person ist wie Crumb, dann wirkt auch Trollers zuweilen ein wenig präponderantes Prinzip, daß in seinen Filmen nur er selber redet und die Antworten seiner Partner meist nur zusammenfassend, gerafft undbereits interpretiert wiedergegeben werden, durchaus angebracht.

Das Problematische an Trollers speziellem Metier schlug diesmal an anderer Stelle durch, und einige Textstellen zeigten, daß er selber es gemerkt hatte. Da bewunderte er Crumb für dessen Fähigkeit, sich monatelang in ländliche Anspruchslosigkeit zurückzuziehen, fern demKultur- und Society-Betrieb der großen Städte, unerreichbar für Journalisten, die ihn interviewen wollten – und war doch, um das zeigen, Crumb selber mit: seiner Kamera und seinen geschickten, aber wie immer recht zudringlichen Fragen auf den Pelz gerückt. Da beklagte er die Publizität, die Crumb nun mit der Verfilmung von „Fritz the Cat“ überfallen wird; und war doch, zur Auffüllung seines eigenen Films, weitgehend auf eben diese Verfilmung angewiesen. Das Fernsehen ist eben nicht das rechte Medium zur Propagierung von Weltflucht. Crumb selber kam da mit seinem eigenen Tun besser ins reine: Könnte er sich nicht in seinen grausamen Zeichnungen austoben, so müßte er alle diese Dinge vielleicht wirklich tun, sagte er. Wäre Troller aber der eigenen Tendenz gefolgt, so hätte er uns diesen brillanten Film vorenthalten müssen. Dieter E. Zimmer