Gegen zum Teil starken Widerstand konservativer Gruppen seiner eigenen Partei will Blüm in Ludwigshafen für den Bundestag kandidieren. Er gilt als "Linksaußen" der CDU. Norbert Blüm ist Hauptgeschäftsführer der arbeitnehmernahen CDU Sozialausschüsse. i Norbert Blüm, Hauptgeschäftsführer der . CDU Sozialausschüsse l Sehen Sie sieb selbst auch als den Av ßenseiter, als den Ihre innerparteilichen Gegner Sie darstellen, oder glauben Sie, daß sich die CDU künftig insgesamt stärker auf gesellschaftspolitische Grundsätze besinnen wird? Blüm: Natürlich entspricht es den Bedürfnissen mancher Leute, mich zu isolieren. Aber ich fühle mich keineswegs einsam und allein, denn ich glaube mich vom Vertrauen der Sozialausschüsse getragen. Was die programmatische Fundierung anbelangt, so bin ich in der Tat der Meinung, daß die Parteien heute, im Unterschied zu nicht allzu lange zurückliegenden Zeiten, etwas mehr sagen müssen als das, was sie im Augenblick vorhaben. Sie müssen Ziele weisen, die über den Tag hinausreichen. Mit anderen Worten: Wir werden nicht weiterhin- nur Wohlstand versprechen dürfen, sondern uns den Sinnfragen der Gesellschaft stellen müssen.

Aber diese Einstellung zur Politik dürfte in den Unionsparteien noch nicht allgemein gültig sein.

Blüm: Nicht nur in den Unionsparteien. Es gibt in allen Parteien Gruppen, die mehr von einem Pragmatismus halten, der von der Hand in den Mund lebt, und andere, denen das nicht genügt. Für meine Partei will ich in diesem Zusammenhang auf die Junge Union verweisen, die ja auf ihrem bevorstehenden Deutsehlandtag ein Grundsatzprogramm verabschieden will, auch wenn das in Wahlkampfzeiten zuweilen als Luxus bezeichnet wird.

Sie glauben also, daß sich die Struktur der CDU als einer Partei mit zahlreichen Interessengruppen, von denen viele an einer "Weiterentwicklung der Gesellschaftspolitik uninteressiert sind, allmählich ändert?

Blüm: Noch gibt es sicherlich verschiedene Vorstellungen über den Begriff der Union in der CDU. Ich halte es zwar für einen Vorzug, daß in der CDU mehrere Interessen aufeinandertreffen, die dann zum Ausgleich gebracht werden. Diese Medaille hat auch eine Rückseite: Der Interessenausgleich darf nicht wie ein Kuhhandel vorgenommen werden, bei dem derjenige, der gerade im Vorteil ist, die anderen übers Ohr haut.

"Werden nun aus der Kandidatenaufstellung für den Bundestag Ihre Arbeitnehmer ,oder die Unternehmer der CDU gestärkt hervorgehen?

Blüm: Soweit ich das jetzt schon erkennen kann, werden wir ganz gewiß nicht schwächer.