Fleisch wird teuer bleiben, konstatierte Ernährungsminister Ertl. Nur einen schwachen Trost hatte er für die Rindfleisch-Liebhaber bereit: Im Herbst werde es infolge des Weideabtriebs eine Beruhigung der Preissteigerungen geben. Dann wird mehr geschlachtet.

Dennoch, übersteigt die Rindfleisch-Nachfrage auch längerfristig das Angebot. Folge: weiterhin steigende Preise. Die Ursachen sind vielschichtig. Vor zwei Jahren haben die beiden Hauptlieferanten für den Weltmarkt, Neuseeland und Argentinien, wegen außerordentlicher Trockenheit ihre Herden dezimiert. Die Weltmarktpreise schnellten herauf. Inzwischen haben sie zwar ihre Rinderbestände schon wieder um fünf Prozent vermehren können, aber die Lieferfähigkeit ist noch beschränkt. Überdies ist die Barriere des EWG-Außenzolls in Höhe von 20 Prozent bei hohen Weltmarkt- und Frachtpreisen kaum zu überwinden. Bislang hat sich die EWG ohnehin als zu wenig flexibel erwiesen, um auf Änderungen von Angebot und Nachfrage einzugehen. Durch die Abriegelung der Sechs nach außen hin wurden weltweiter Wettbewerb und Arbeitsteilung eingeschränkt.

Innerhalb der EWG, an deren Rindfleischproduktion die Bundesrepublik 1971 einen Anteil von 35 Prozent hatte, sind unterschiedliche Agrarstrukturen, und Verbrauchergewohnheiten für die hohen Rindfleischpreise mitverantwortlich. Die große Abschlachtaktion vor anderthalb Jahren, die einen Preiseinbruch bereinigen und auch die Milchproduktion in Grenzen halten sollte, hat die Verknappung verschärft.

Nach Ansicht Bonner Fachleute müßte es in der EWG weitgehend zu einer Arbeitsteilung kommen. Danach sollten Kälber hauptsächlich in Frankreich erzeugt werden, wo bessere Voraussetzung gen gegeben sind. Die deutschen Landwirte sollten sich hingegen um Mast und Fleischproduktion kümmern.

Aber auch der Wohlstandsverbraucher der zunehmend das schiere Rindfleisch, vor allem Steak, Filet und Roastbeef verlangt (ein Kilo Steakfleisch kostet um 30 Mark), hat die Nachfrage verschärft. Zudem muß das meiste, nun nicht mehr gewünschte Fleisch mitbezahlt werden. Der Rat an die Verbraucher liegt nahe: Kauft lieber Schweinefleisch, die Preise sind noch günstiger.

Ertls Ministerium sieht aber voraus, daß dann die Verbraucherpreise für Schweinefleisch insbesondere bei gefragten Stücken auf „relativ hohem Niveau“ liegen und erst im nächsten Jahr abgebremst werden, wenn das Angebot sich ausweitet. Ertls Trost: Geflügel und Eier bleiben weiterhin preisgünstig. lu