Deutsche Geldanleger erwiesen sich in den letzten Jahren als besonders zugänglich für „heiße“ Aktientips aus Kanada. Warum, weiß Alfred J. Lewis, kanadischer Geschäftsführer der Promoterfirma Asta Securities GmbH in Frankfurt, zu erzählen: „Ich verkaufte zum Beispiel einem meiner Kunden Denison Mines mit 33 Cents. Dann vergaß dieser Kunde seine Aktie, bis er die erste Dividende in Höhe von fast zwei Dollar erhielt.“ Denison war inzwischen auf 55 Dollar gestiegen.

Die kanadischen Börsen sind reich an Beispielen, bei denen Spekulanten mit Pfennigbetragen Millionengewinne machen. Noch reicher ist das Land jedoch an Beispielen für astronomische Kursverluste. Meist haben dann clevere Aktienpromoter (Verkaufsförderer) ihre Hand im Spiel. Die üblichen Methoden der Promoter

  • Sie empfehlen Papiere von Gesellschaften, in denen sie selber (oder nahestehende Personen) als Großaktionär oder Direktor die Geschäftspolitik bestimmen oder beeinflussen können:
  • Sie empfehlen Aktien zu Kursen, die in Kanada als überbewertet gelten, oder sie verkaufen Papiere bei uns zu Dollarpreisen, die in Kanada wenige Cents kosten.
  • Sie versprechen phantastische Gewinne und belegen ihre Behauptungen mit Daten, deren Richtigkeit kaum nachgeprüft werden kann.

Den Käufern wird meist suggeriert, diesen Pajpieren ständen Kurskarrieren bevor, die denen von IBM oder Xerox in nichts nachstehen würden. Dazu gehören selbst Gesellschaften, die in keinem Telephonbuch Kanadas zu finden sind. Besonders skrupellosen Kurstreibern gelingt es sogar, vertrauensselige Sparer zu Spekulationen auf Kredit zu verleiten.

Während solche Praktiken zum Beispiel in den USA gegen Strafgesetze verstoßen und mit Haftstrafen geahndet werden, können exotische Aktienverkäufer bei uns sogar auf richterliche Hilfe rechnen, sobald jemand durch harte Kritik ihr Vertriebskonzept gefährdet.

So warnte beispielsweise der vom Düsseldorfer Wirtschaftsverlag für Informationsdienste herausgegebene „Aktien-Brief“ am 13. Mai dieses Jahres vor dem Kauf bestimmter kanadischer Aktien, die von der Asta GmbH empfohlen werden. Prompt erschien ein Gerichtsvollzieher in den Räumen der Redaktion mit einer gerichtlichen Verfügung, die es dem Börsenbrief bei Androhung einer Geldstrafe untersagte, die Behauptungen über die betreffenden Gesellschaften zu wiederholen.

Tatsächlich ist es für deutsche Anleger kaum möglich, Kursmanipulationen rechtzeitig auf die Schliche zu kommen. Solange der Kurs steigt, ist alles in Ordnung. Ein aktuelles Beispiel bietet in diesen Tagen die Aktienpromotion der Henninger Brewery (Ontario) Ltd. Erstzeichner zahlten Anfang Juni in Kanada 1,75 Dollar pro Aktie. Inzwischen wird das Papier auch bei uns gehandelt – allerdings zu fünf bis sechs Dollar. Und das obwohl die Brauerei außer über einen bekannten Namen über keine nennenswerten Produktionsanlagen in Kanada verfügt. Bis die Gesellschaft mit Profit arbeitet – falls überhaupt – können noch Jahre vergehen.