Von Marion Gräfin Dönhoff

Wenn diese beiden Mieslinge, die sich da vom „Sex-Konzern“ – wie der Spiegel den Bauer-Verlag nennt – Beraterverträge haben aufschwatzen lassen, wenigstens hinterher Zeichen reuigen Erschreckens hätten erkennen lassen, aber weit entfernt...

Beide versicherten auf Befragen, sie seien sich keines Fehls bewußt, sie hätten nichts getan, was unzulässig sei, und ihre Antwort auf die Frage, was sie in Zukunft zu tun gedächten, lautet: Sie wollten weiter Politiker bleiben!

Daß es auch Bestechung gibt, die strafrechtlich nicht geahndet werden kann, die aber dessenungeachtet genauso schlimm ist, daß ferner der Parlamentarische Staatssekretär zur Regierungssolidarität verpflichtet ist, dies alles scheinen Wolfram Dorn, der 70 000 Mark kassierte und Joachim Raffert, der es auf 100 000 Mark brachte, nicht zu wissen.

Beide ließen durchblicken, sie hätten die Beziehungen zu dem Verlag, in dem die Illustrierte Quick erscheint, nur aufgenommen, um dieses Blatt oder vielleicht den ganzen Verlag als Freund für die SPD/FDP-Koalition zu gewinnen. Wenn dies wirklich im Herbst 1969 ihr Motiv gewesen sein sollte, dann hätten sie spätestens im Juli 1970, als Quick das „Bahr-Papier“ veröffentlichte, merken müssen, daß das Interesse dieses Blattes ausschließlich darauf gerichtet war und ist, der Regierungskoalition zu schaden und ihre Ostpolitik zu diskreditieren. Hätte es also keine moralischen Gründe gegeben, die Dorn und Raffert zum Rücktritt zwangen, so hätte man sie schon wegen erwiesener Dummheit rausschmeißen müssen.

Nun gibt es auf den ersten Blick einen Unterschied zwischen den beiden Spießgesellen. Sie haben, genau wie ihr Kollege Heinrich Gewandt von der CDU, Verträge abgeschlossen, die nur für die Dauer ihres Abgeordnetenmandats Gültigkeit besitzen – der Bauer-Verlag scheut sich offenbar, Aufwendungen zu machen, für die es keine garantierte Gegenleistung gibt. Der Unterschied: Raffert hat seinen Vertrag gekündigt, als er im März dieses Jahres zum Staatssekretär ernannt wurde. Doch ist sein Fall besonders grotesk, weil er Mitglied der Medien-Kommission der SPD war und damit Einblick in die Absichten der Regierung zur Kontrolle der Konzentration im Verlagswesen hatte.

Dorn, Parlamentarischer Staatssekretär im Innenministerium, geriet durch den Sold des Bauer-Verlages gleich in zwei Konflikte: Das Innenministerium ist federführend für den Entwurf eines Presserechts-Rahmengesetzes. Außerdem war Dorn Beauftragter seines Ministers für den zivilen Bevölkerungsschutz. In dieser Eigenschaft hatte er die Weisung erteilt, alle Aufträge aus dem Bereich der Öffentlichkeitsarbeit des „Bundesverbandes für den Selbstschutz“ nur mit seiner persönlichen Zustimmung zu vergeben. Und so sorgte er denn dafür, daß die PR-Firma, die der dubiose Herr Limbach zusammen mit einem anderen Vertreter des Bauer-Verlages in Bonn gegründet hatte, seit Dezember 1968 Aufträge im Werte von 700 000 Mark zugeschanzt erhielt.