Nachdem neuesten Neckermann-Versandkatalog kostet der elektronische Tischrechner Prinztronic ,,nur noch“ 396 Mark. Diese Preissenkung verdanken die Neckermann-Kunden vielleicht weniger kaufmännischem Kalkül, als dem Wunsch des Frankfurter Versandhändlers Josef Neckermann nach einer guten Optik. Denn mit dem „unglaublichen“ (so der Anzeigentext) neuen Preis will er die Distanz zum Kölner Warenhaus-Konzern Kaufhof deutlich machen.

In der Tat hatten die Kölner erst vor vier Monaten einen ähnlichen Tischrechner zu 398 Mark angeboten, soviel kostete damals auch die Prinztronic von Neckermann. Der Tischrechner von Kaufhof gehört in die Reihe der besonders erfolgreichen „goldenen Kaufhof-Angebote“, für die seit Februar 1970 in den wichtigsten deutschen Illustrierten geworben wird.

Freilich, nicht jedes goldene Angebot von Kaufhof wurde zum Bestseller. Schon der Premieren-Artikel, ein versilbertes Besteck, entpuppte sich als unverkäuflicher Ladenhüter. Erst als die Besteck-Kassette nach mehreren Preisabschlägen von 140 auf 60 Mark runtergehandelt war, gingen Messer, Gabel und Löffel weg wie warme Semmeln. Die Belegschaft der Kaufhöfe erkannte den Preisknüller und räumte innerhalb weniger Stunden die Läger. Über die Absatzzahlen anderer Angebote schweigt man sich in Köln allerdings beharrlich aus: „Wir wollen der Konkurrenz keine Anhaltspunkte liefern.“

Die Konkurrenz reagierte gelassen auf Kaufhofs neue Werbemasche. Der Branchenführer, die Essener Karstadt AG, versichert: „An eine zentrale Werbung wird bei uns nicht gedacht.“ Und auch bei Horten will man sich an die bisherigen Gepflogenheiten halten und für Produkte weiterhin in der Tagespresse regional werben.

Nur Hertie hat sich auf den von Kaufhof eingeschlagenen Weg begeben: Seit ein paar Monaten erscheint in den Illustrierten stern und Neue Revue sowie in Springers Funkpostille Hörzu, allmonatlich eine ganzseitige Anzeige für „Hertie-Glückskauf“.

Kaufhof und Hertie haben sich mit ihren Anzeigenserien zugleich einen neuen Vertriebsweg für ihre Produkte eröffnet. Denn ähnlich wie beim Versandhandel können die Illustrierten-Angebote der beiden Warenhäuser per Bestellschein bei den Zentralen geordert werden. Doch bislang blieben die Umsätze über den Versand äußerst bescheiden. Bei Kaufhof wird der Anteil des Versandumsatzes mit durchschnittlich 20 Prozent angegeben. Und auch bei Hertie werden die meisten Glückskauf-Artikel in den Warenhaus-Filialen abgesetzt.