Im Rechtsstreit der Hamburger Sparkasse, der größten Europas, gegen das Land Schleswig-Holstein zeichnet sich noch kein Ende ab. Das Kieler Innenministeriüm verlangt die Schließung der Filiale der Hamburger in Ahrensburg, wenige hundert Meter von der Landes-, grenze entfernt. Nach dem Regionalprinzip darf sich eine Sparkasse nur in dem für sie zuständigen Raum betätigen. Eine Konkurrenz Sparkasse gegen Sparkasse soll es nicht geben. Die Kommunen, sogenannte „Gewährsträger“ der Sparkassen und für eventuelle Verluste haftbar, wollen keinen ruinösen Wettbewerb.

Dieses Modell paßt aber nicht für Hamburg und sein Umland. Zunächst einmal ist die Hamburger Sparkasse kein öffentlich-rechtliches Institut, sondern eine freie Sparkasse, deshalb nur sich selbst verantwortlich. Sie ist der Meinung, ihrer an den Rand Hamburgs gezogenen, aber nun außerhalb der Landesgrenzen wohnenden Kundschaft folgen zu dürfen. Davon will indes die Kreissparkasse Stormarn nichts wissen.

Die eigentliche Ursache des Streits geht auf das Jahr 1937 zurück, als die damalige Provinz Schleswig-Holstein große Teile ihres Gebiets an Groß-Hamburg abtreten mußte. Damals blieben die Zweigstellen der Kreissparkasse Stormarn auf dem neuhamburgischen Gebiet bestehen. In einem zvischen den beiden streitenden Sparkasse! 1958 geschlossenen Vertrag verpflichtete sich die Kreissparkasse jedoch, elf Zweigstellen zu schließen, zwei durften weiter arbeiten.

Als Vergeltung gegen die angeordnete Schließung ihrer Ahrensburger. Filiale hat die Hamburger Sparkasse den Vertrag gekündigt und verlangt nun ebenfalls die Schließung der beiden auf Hamburger Gebiet arbeitenden Stormaner Zweigstellen. Ein Gespräch zwischen Gerhard Stoltenberg, Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, und Peter Schulz, Bürgermeister Hamburgs, hat seine Annäherung der Standpunkte gebracht.

Jetzt ist das Verwaltungsgericht in Schleswig mit dem Fall befaßt. Es soll über die Rechtmäßigkeit der Kieler Schließungsverfügung befinden. Danach könnte noch das Bundesverwaltungsgericht das Wort bekommen. Im Bundesgebiet wird der Streit deshalb mit gespannter Aufmerksamkeit verfolgt, weil auch in anderen Städten die „freien“ Sparkassen über die Regionalgrenzen hinausdrängen und ihrer Kundschaft folgen. Geht das Regionalprinzip in die Brüche, so wäre in Grenzgebieten ein Konkurrenzkampf der Sparkassen untereinander die Folge. Und den möchten eben nicht alle riskieren. K. W.