Man stand, wo man jeden Sommerabend steht in Donauwörth, nämlich in der Tür der Weinhandlung Völklein (Inhaber Erich Bäcker) in der Heilig-Kreuz-Straße. Und hielt gelegentlich Ausschau nach allfällig flanierenden Röcken. Ein Häuslebauer war da und ein Techniker, ein Blumenfreund und... und... und.

Sagte der Häuslebauer: „Jo mai, dös gibt’s doch net!“ Was es doch gab und eben um die Ecke beim Landratsamt in die Heilig-Kreuz-Straße einbog, war ein amerikanischer Jeep, gefolgt von mehreren Armeelastwagen. Mehrere? Aber nein. Vielmehr war, was schwerfällig hereinbrummte, eine ganze Kolonne. Es dürften an die fünfzig Lkw gewesen sein, die sich stauten. Vom Landratsamt bis zur Druckerei Auer war kein Parkplatz mehr frei. Alles gerammelt voll mit US-Army! Well, well.

Die Leutchen bei Völklein winkten den„Amis“ ab. Indes: vergebens. Nach Kommißbräuch muß – aus einleuchtenden Gründen – dem Eührungswagen, der Name sagt’s schon, die Karawane folgen. Nun denn, für unsere Beschützer von der anderen Seite des großen Teichs war guter Rat jetzt teuer. Also hängte sich ihr Spieß an die Strippe im Jeep. Telephonitis brach aus. Geschlagene zwei Stunden ging die Chose. Na ja, der Schreiber dieser Zeilen sagte sich am Ende: Hab’ Erbarmen mit den Soldaten (die zur Kaserne auf dem Schellenberg wollten)! Er riet: „Gentlemen, go to the Rathaus, da ist die German Police. Deren Job ist es, euch den Weg zu zeigen.“ Die Soldaten mit ihrem Spieß staunten Bauklötzchen und taten gerade so, als hätte man ihnen den Tip gegeben, nach Sibirien zu fahren. Well, well. Schadenfreude kann – unchristlicherweise – zwar eine – ganz schöne Sache sein, aber in einem Anfall von Mitgefühl sprach ich einen Soldaten in einem Lkw an: „Sir, wie war’s mit einem Drink? Please, come on in! Schließlich haben wir keine Prohibition in Bayern.“

Er, den wir hier einmal „John Miller“ nennen wollen, entpuppte sich als waschechter Bürger des Bundesstaates Südkarolina, gelegen im tiefen Süden der USA. Ganze 23 Jahre jung. „Well, that’s dam’n rot!“ Zu deutsch: „Das ist verdammte Sch... okolade!“ Derart deftig äußerte er sich auf Befragen zu seinem Job als Abendlandverteidiger. Man stelle sich doch bitte einmal vor: Der gute Junge ist weiter als ein Camel-Raucher („Meilenweit...“) von zu Hause weg und landet dann mit der Karawane am Mittwochabend ausgerechnet in der Heilig-Kreuz-Straße. Ist doch besch ... euert, so was. Aber ehrlich. Sackgasse!

Werner Hilzinger,

Redakteur in der „Donawwörther Zeitung“