Wirtschaft

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DIE ZEIT

Tödliche Spiele

Am vergangenen Wochenende kündigte der Fernsehmoderator aus dem Olympia-Sonderstudio zur gewohnten Zeit die „Tagesschau“ -Sendung mit den Worten an: „Sie haben gerade heitere Spiele gesehen.

Milliarden-Rausch

Die teuerste Rentenreform, die es je gab, steht uns. bevor. Bis vor wenigen Wochen berechneten Regierungskoalition wie Opposition ihre Reformpläne so, daß sie in den nächsten 15 Jahren rund 160 Milliarden Mark kosten sollten – eine riskante Rechnung fast ohne Reserve.

Japan am Wendepunkt

Die historische Bedeutung des Honolulu-Treffs zwischen Präsident Nixon und Japans Regierungschef Tanaka läßt sich nicht aus dem Schlußkommuniqué herauslesen.

Geschäfte ohne Gewissen

Wenn diese beiden Mieslinge, die sich da vom „Sex-Konzern“ – wie der Spiegel den Bauer-Verlag nennt – Beraterverträge haben aufschwatzen lassen, wenigstens hinterher Zeichen reuigen Erschreckens hätten erkennen lassen, aber weit entfernt.

Deutscher Poker

Ostberlin pokert hoch. DDR-Staatssekretär Kohl, bisher gleich seinem Bonner Partner Egon Bahr ein Meister in der Kunst, alle Fragen nach den Verhandlungen über den Grundvertrag ebenso freundlich wie nichtssagend abzuwehren, ist überraschend deutlich geworden.

Wahlkampf in den USA.: Ein junger Mann aus dem fernen Westen

Im äußeren Erscheinungsbild gleicht er einem der jungen amerikanischen Athleten, die in München Medaillen wie reife Kirschen pflückten: knapp mittelgroß, schlank, sportlich, ein offenes Gesicht, umrahmt mit langem und modisch, aber sorgfältig gestutztem Haar, ebenmäßige Züge, saloppe und nicht unbedingt telegene Kleidung – so sitzt Gary Warren Hart im vierten Stock der demokratischen Wahlkampfleitung in Washington, in einem Gebäude übrigens, durch das der Spuk des Mißerfolges und der Frustration geistert, denn noch vor wenigen Monaten diente es dem schon in Vergessenheit versunkenen Senator Edmund Muskie als Stabsquartier.

Worte der Woche

„Die Leute, die sich für das Wohlfahrtsethos einsetzen, verschwenden ihre Zeit mit der Frage, wie der Kuchen geteilt werden soll, den wir haben.

Zeitspiegel

Für den Fall, daß sie bei den US-Wahlen nicht die Mehrheit der Sitze im Repräsentantenhaus erhalten, hoffen Parlamentsstrategen der Republikanischen Partei auf Dissidenten von der Konkurrenz.

Die Spitze der IRA

Sean Mac Stiofain, alias John Stephenson, 45, Engländer mit irischer Mutter, ehemaliger Luftwaffensoldat, vorbestraft wegen bewaffneter Überfälle, lernte die irische Sprache im Gefängnis, traf dort auch Terroristen der zypriotischen EOKA; heute Chef des Stabes der Provos.

Ehrenordnung für Abgeordnete: Zwang zur Moral

Kai Uwe von Hassel, der Präsident des Deutschen Bundestages, will sich an einem Kunststück versuchen, um das ihn, wenn es gelingt, Koalition und Opposition gleichermaßen beneiden müssen: Das Bonner Parlament soll noch vor den Neuwahlen beschließen, was die Mehrzahl seiner Mitglieder bisher nicht wollte – einen „Ehrenordnung“ genannten Katalog von Offenbarungspflichten aller Abgeordneten über Art und Herkunft ihrer Nebenverdienste.

Beamtenbund: Im falschen Tritt

Von seiner Loyalität zu der ihm anvertrauten Beamtenschaft läßt sich Bundesinnenminister Hans-Dietrich Genscher nicht so leicht abbringen.

Moskaus Position im Mittelmeer: Haben die Sowjets ihre Macht verspielt?

Fünf Ereignisse haben in den fünf Jahren nach dem Juni-Krieg von 1967 die Situation im Nahen Osten geprägt, wenngleich nicht grundsätzlich verändert: der Aufbau einer scheinbar unauflösbaren Machtbasis der Sowjets in Ägypten, der Fehlschlag des ägyptischen Abnützungskrieges am Suezkanal, der plötzliche Tod Nassers, die Niederlage der palästinensischen Terroristen in Jordanien und der erzwungene Abzug der rund 20 000 sowjetischen Militärberater aus dem Nilland.

Deutsches Gold: Zwei Nationen

Als Heide Rosendahl olympisches Gold ersprang, fand die Nation ihr Selbstbewußtsein zurück. So stand es allenthalben in der Presse unseres Landes zu lesen.

Rangelei um Rundfunkgelder: Ein Millionenkrach

Die im Verwaltungsrat des Westdeutschen Rundfunks wohl-tätigen Landespolitiker, allen voran Landtagspräsident Dr. Wilhelm Lenz (CDU), geben jährlich großherzige Beispiele eines jetzt plötzlich heftig umstrittenen Mäzenatentums.

Seglerparade vor Kiel: Als die Windjammer kamen

Die ältesten Seeleute können sich nicht erinnern, daß ... ja, daß so viele Menschen an den Ufern der Förde standen – zweihunderttausend mindestens, daß in ihrem Rücken, bis weit in die Wiesen hinein, so viele Autos parkten – fünfzigtausend etwa –, daß so viele Dampfer, Boote, Yachten – Hunderte und aber Hunderte – seemeilenweit außer Sicht von Land herumschipperten, daß es irgendwo und irgendwann solchen Wirbel um Segelschiffe gegeben hatte, wie man ihn am Sonntag, dem 3.

Lokalzeit: In der Sackgasse

Man stand, wo man jeden Sommerabend steht in Donauwörth, nämlich in der Tür der Weinhandlung Völklein (Inhaber Erich Bäcker) in der Heilig-Kreuz-Straße.

Raubmord in Offenbach: Sorgen mit Service

Ihr Habitus Ist nach Eindruck der Bevölkerung der „eines US-Hilfssheriffs“. Die Männer des Armoured Car Service aus Frankfurt wissen dies und benehmen sich auch so.

Terre-des-Hommes: Mit Stethoskop und Schraubenschlüssel

Um den ärztlichen Notstand in einem Land zu mildern, das mit 190 Putschen in den 140 Jahren seiner Unabhängigkeit zu den politisch Schwerkranken zählt, schickt Terre-des-Hommes Deutschland eine Klinik auf Rädern ins südamerikanische Bolivien.

Olympische Spiele: Frontstadt München

Der Olympia-Boom auf dem bundesdeutschen Büchermarkt, die Sonder-, Luxus- und Superalben mit all ihren bunten Bildern und den ach so sachverständigen Kommentaren namhafter Fernseh- und Rundfunkjournalisten – bestätigen sie nicht drastisch, daß viele Menschen in unserem Lande noch immer an die „heile Welt Olympia“ glauben? Politische Querelen – etwa der Ausschluß rhodesischer Sportler, von Afrikanern unverhohlen als politischer Sieg gefeiert, oder der spektakuläre Anschlag auf die israelische Mannschaft – und die Frage nach Sinn oder Unsinn heutiger Olympiaden werden allenfalls am Rande berührt.

Aktuelle Krisenherde

In der Führung des sogenannten „provisorischen“ (militanten-nationalistischen) Flügels der Irisch-Republikanischen Armee (IRA) ist es zu Auseinandersetzungen gekommen.

Ehrenordnung: Gute Aussichten

Der Fall der beiden Parlamentarischen Staatssekretäre Dorn (FDP) und Raffert (SPD), die beide Verträge mit dem Bauer-Verlag besaßen, hat die Aussichten vergrößert, daß sich der Bundestag noch vor den Neuwahlen eine Ehrenordnung gibt.

Rentenreform: Vor der Einigung?

Die Bundesregierung hat dem Vorschlag der Unionsfraktion zugestimmt, die für den 1. Januar 1973 geplante Rentenerhöhung um 9,5 Prozent auf den 1.

DDR verlangt Botschafter

Die Hoffnung auf den Abschluß eines Grundvertrags zwischen der Bundesrepublik und der DDR noch vor den Neuwahlen ist gedämpft worden.

Differenzen über China

Die zweitägigen Gespräche, zu denen sich der amerikanische Präsident Nixon und der japanische Ministerpräsident Tanaka am Donnerstag voriger Woche auf Hawaii trafen, haben nicht zu einer endgültigen Klärung der zwischen beiden Staaten strittigen Fragen geführt.

Dokumente der Zeit

„Die formellen Gespräche werden ohne Zweifel zur Verwirklichung der langgehegten Wünsche unserer Landsleute beitragen, die unter der Teilung leiden, und auch dazu, die Mißverständnisse und das Mißtrauen zwischen dem Norden und dem Süden zu beseitigen.

Madagaskar: Ungewisse Zukunft

General Ramanantsoa, seit den Mai-Unruhen dieses Jahres Chef einer Regierung der nationalen Einheit auf Madagaskar, verblüffte die Öffentlichkeit durch zwei ungewöhnliche Maßnahmen.

Gerechtigkeit für Goetheaner

Streikdrohung der GEW für die Mitarbeiter der deutschen Kultur-Institute – Dichtung oder Wahrheit?

Olympisches Kunstgewerbe: Schöne Nebensachen

Heitere Spiele? Bis Dienstagfrüh gab es nicht den leisesten Zweifel daran. Selbst Kritiker, die die Degeneration der olympischen Idee laut beklagen, wurden für eine Weile stumm, und das lag keineswegs am unerwartet strahlenden Wetter.

Filmfestspiele Venedig: Heimweh nach Vereinfachungen

Ein pensionierter Oberst kommt mit seiner jungen Frau aus der Provinz in die Hauptstadt, er kommt zu seinen erwachsenen Töchtern aus erster Ehe; Die Töchter leben, wie man in der Großstadt lebt, mit Freunden, mit der Liebe, mit Luxus.

Argumente für und gegen: Mündliche Prüfungen

Gemeint ist alles persönliche Abfragen von Wissensstoff: für die „mündlich“-Noten in der Schule, im Abitur, im Staatsexamen, im Rigorosum oder wo auch immer sonst noch mündlich geprüft wird.

Abroad • Del extranjero • De l’étranger: Schwarz und Spanisch

Die hundertste Straße an der Eastside, zwischen erster und zweiter Avenue, sieht so aus, wie Slums aussehen in New York. Eine Straßenseite besteht aus schmuddlig roten Häusern, deren Häßlichkeit durch Feuerleitern verhakt ist; unten, vor den Eingängen wimmelt es von Kindern, alten Frauen, Halbwüchsigen; viele Fenster sind blind, mit Pappe halbverdeckt oder mit schwarz aufgerissenen Fensterlöchern; die Kästen der Klimaanlagen, die in anderen, besseren Straßen gegen die Augusthitze ankämpfen, fehlen.

Zeitmosaik

Die rote Laterne in der Bildungspolitik tragen in Europa die Schüler der Bundesrepublik: Sie liegen an letzter Stelle einer Vergleichsskala der sechs EWG-Staaten.

Kunstkalender

Zeichnungen aus den Jahren 1965 bis 1972 unter dem Titel „Dunkelland“, eine erste bundesdeutsche Retrospektive von Roger Loewig, der bis zum Januar 72 in der DDR lebte und dann nach Berlin West übersiedeln durfte, ein Privileg, das unliebsamen Künstlern eingeräumt wird, dem Lyriker Peter Huchel und dem Zeichner Loewig.

Die neue Schallplatte

Fünfzig Jahre lang stand der dänische Tenor Helge Rosvaenge auf der Bühne – in den letzten Jahren gab das nicht immer die besten Eindrücke vom Können dieses Sängers.

Filmtips

Im Fernsehen: „Eine Perle in der Krone“ (Polen 1971), von Kazimierz Kutz (ZDF 11. September). Aufwendige Chronik eines polnischen Bergarbeiter-Streiks im Schlesien der frühen dreißiger Jahre.

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