Die historische Bedeutung des Honolulu-Treffs zwischen Präsident Nixon und Japans Regierungschef Tanaka läßt sich nicht aus dem Schlußkommuniqué herauslesen. Aber aus den Begleitumständen kann man schließen, wie sehr sich das Verhältnis zwischen Tokio und Washington hin zur japanischen Mündigkeit entwickelt.

Zum erstenmal seit 1945 hatte das Weiße Haus und nicht Tokio um ein solches Gipfeltreffen ersucht. Respektvoller als je zuvor war der US-Präsident seinem Gast nach Hawaii auf halbem Weg entgegengereist. Mit neuem Selbstbewußtsein und neuem Spielraum synchronisierte der Premier aus Tokio sein Nixon-Gespräch und die Ankunft einer japanischen Regierungsdelegation in Peking, die dort Tanakas bevorstehenden Besuch und eigenen Weg nach China vorbereitet.

Japan am Wendepunkt – was nun und wohin nun? Mehr Rivalität und weniger Partnerschaft wird für die Beziehungen zu den USA vorausgesagt. Abbau der alten Abhängigkeiten (Südkorea, Taiwan, Amerika) und Aufbau neuer Optionen wird für den asiatischen Raum prophezeit. Eine gaullistische Öffnung nach allen Azimuten ohne ideologische Rücksichtnahmen und Verpflichtungen könnte sich für den nicht ausgelasteten Giganten sowohl wirtschaftlich als auch politisch lohnen. Noch ist Japan verwirrt, noch ist die suchende Selbstbesinnung und Selbstbestimmung nicht beendet. A. K.