Neu in Museen und Galerien:

Hannover Bis zum 15. Oktober, Galerie Brusberg: „Roger Loewig“

Zeichnungen aus den Jahren 1965 bis 1972 unter dem Titel „Dunkelland“, eine erste bundesdeutsche Retrospektive von Roger Loewig, der bis zum Januar 72 in der DDR lebte und dann nach Berlin West übersiedeln durfte, ein Privileg, das unliebsamen Künstlern eingeräumt wird, dem Lyriker Peter Huchel und dem Zeichner Loewig. Loewigs Werk ist ebenso wenig politisch motiviert wie das des Lyrikers, es sei denn, man wollte bereits die Abwesenheit des Politischen als ein Symptom für Opposition bewerten. Loewig beschreibt mit der zeichnerischen Akribie, die der Surrealismus für die Vergegenwärtigung innerer Zustände, der Angst, der Bedrohung, der Panik, herausgebildet hat, seine Eindrücke und Erfahrungen im „Dunkelland“. Aus grauen Schatten- und Dämmerzonen entsteht mit Hilfe einer plötzlich an Prägnanz gewinnenden Linie eine gespenstische Figuration. Die generelle Düsternis nimmt Gestalt an, und diese Gestalt wird mythologisch benennbar. Loewig gibt ihr den Namen Ikarus, die Hauptfigur in dem vielfältigen Oeuvre und eine Konstante, die immer wieder in der veränderten Szenerie auftaucht, die Figur, mit der sich der Zeichner identifiziert, mit der er die eigenen Lebenssituationen bildhaft macht: „Der eingemauerte Ikarus“ („Wenn der Ikarus in den Mauern ist, dann bin ich das selbst“), „Ikarus mit verbundenen Augen“, der geblendete, der vom Eis getroffene Ikarus. Schon auf dem „Großen Panorama“ von 1965 erscheint vor Trümmerfeldern, Ruinen und Leichenhügeln das Ikarus-Gesicht, das mit geringen Veränderungen im „Porträt Angst“ wiederkehrt. Das Autobiographische verbindet Loewig mit der mythischen Substanz der Figur, Symbol des Fliegens und Stürzens, der gescheiterten Hoffnung. Wieweit diese ausweglos düstere Bildwelt als umweltbedingt, als mythologische Chiffrierung einer politischen Realität zu verstehen ist, läßt sich dem bisherigen Werk nicht mit Sicherheit entnehmen. Es wird interessant sein, wie sich der Zeichner Loewig nach dem Ortswechsel entwickeln wird.

Köln Bis zum 15. Oktober, Galerie Teufel: „Konstruktive Tendenzen 1950 bis 1960“

Eine gute und internationale Auswahl von Künstlern, die damals in dem vom Informel dominierten Jahrzehnt gleichsam im Untergrund und ohne Resonanz gearbeitet und die Wiederkehr des Konstruktivismus in den sechziger Jahren vorbereitet haben. Man sieht Bilder der „Zürcher Konkreten“, die an der Bauhaus-Tradition festhalten, während der Schweizer Karl Gerstner das strenge konstruktivistische Reglement mit geometrischer Exzentrik („Das tangentale Eckzentrum“, eine Arbeit von 1956) durchbricht. Der Belgier Delahaut, die Deutschen Nickel, Fleischmann, Buchheister, Hangen demonstrieren Formkombinationen, die von Mondrian und der ersten Konstruktivistengeneration weg- und über sie hinausführen. Die Lehre vom Rechten Winkel und das lebensreformerische Stijl-Konzept werden zugunsten einer allgemeinen mathematischen Ästhetik aufgegeben. Gottfried Sello

Wichtige Ausstellungen:

Dachau Bis zum 24. September, Schloß: „Adolf Hoelzel“