Die teuerste Rentenreform, die es je gab, steht uns. bevor. Bis vor wenigen Wochen berechneten Regierungskoalition wie Opposition ihre Reformpläne so, daß sie in den nächsten 15 Jahren rund 160 Milliarden Mark kosten sollten – eine riskante Rechnung fast ohne Reserve.

Doch im Vorwahlkampf hat die Abgeordneten offenbar der Milliardenrausch erfaßt. Im sozialpolitischen Ausschuß des Bundestages wird seit Montag ein Kompromiß zwischen den gegensätzlichen Konzeptionen gesucht (siehe Seite 33), und man ahnt beklommen, was da kommen wird: Aus jedem Plan werden die Rosinen herausgepickt. Die Regierungskoalition hat ihre Bereitschaft zum Rosinenpicken schon angekündigt.

Das wird dann zwar alles in allem rund 20 Milliarden Mark mehr kosten als geplant, aber vor den Wahlen will jeder großzügig sein. Als der Ausschuß zusammentrat, zauberte die Regierung flugs eine neue Hochrechnung aus der Tasche, wonach nunmehr 185 Milliarden Mark verplant werden können.

Solide Kaufleute rechnen zweimal, ehe sie einen solch riskanten Wechsel auf die Zukunft querschreiben. In Bonn rechnete man zweimal, um das Ergebnis wunschgemäß nach oben zu korrigieren. hm