Von Dieter Piel

Beim unternehmernahen Wirtschaftsrat der CDU hat man eine deprimierende Erfahrung gemacht: „Konservative Kräfte“, sagt der Ratsgeschäftsführer Haimo George, „lassen sich nicht so leicht organisieren“. Er hat recht. Wäre es nämlich anders, so wäre jener große Teil der deutschen Publizistik, den George und seine politischen Anhänger für politisch linksgerichtet halten, vom Ruin bedroht. Die Tatsachen beweisen es: Ein Anzeigenboykott der Wirtschaft gegen die publizistische Linke, von George und manchen anderen immer wieder gefordert, will nicht recht gelingen.

Das liegt durchaus nicht am mangelnden Einsatz derer, die diesen Boykott wünschen. Schon bald nach Amtsantritt der sozialliberalen Bonner Koalitionsregierung forderte „Welt“-Chefredakteur Herbert Kremp die Bosse auf, die linke Publizistik zu schneiden; er verbarg sich dabei lediglich hinter dem Pseudonym Maximilian Trammer. Anfang dieses Jahres bedrängte schließlich auch der mit Kremp-Chef Axel Springer an der rechten Front kämpfende Hamburger Großverleger Heinz Bauer jr. führende Vertreter der deutschen Wirtschaft im Schloßhotel Kronberg im Taunus, Inserate künftig lieber ihm als dem „linken“ Spiegel zu geben.

Noch weiter ging schließlich sogar Axel Springer, den die Angst vor dem Ausverkauf nationaler Interessen und die Sorge vor einer Demontage der herrschenden Wirtschaftsordnung fast um den Schlaf bringen. Er quartierte zwei seiner Spitzenschreiber im Bonner Prominentenhotel „Bristol“ ein, wo sie offiziell die Unionsparteien mit Sympathie-Anzeigen mit Namen und Wahlempfehlung prominenter Bundesbürger versorgen und Wahlkampfinserate texten sollen; inoffiziell, so heißt es, werben sie aber auch für das Gedankengut ihrer Kollegen Trammer-Kremp und Bauer.

Die Namen der beiden Springer-Leute, deren Mission bisher geheim gehalten wird: Ewald Struwe, der sich als Ex-Chefredakteur von „Revue“ und „Constanze“ den Ruf eines Blattmachers erworben, hat und Paul K. Schmidt, unter dem Namen Carrell Erfolgsautor („Unternehmen Barbarossa“), in Springers dahingeschiedener Illustrierten „Kristall“. Noch früher war Schmidt enger Mitarbeiter des braunen Reichsaußenminister von Ribbentrop.

Gewiß, es war nicht alles für die Katz, was Gegner der augenblicklichen Regierung gegen „Linksblätter“ mobilisierten. So müssen sich Blätter vom Zuschnitt „Pardon“, „Konkret“, und „Spontan“ außer mit Pornoinseraten im wesentlichen mit Anzeigen für Produkte über Wasser halten, die unter ihren Lesern besonders beliebt sind. Beispiel: Die Zigarettenmarke Roth-Händle. Und auch der Spiegel, dem „System“ weit mehr verhaftet als die Hausblätter der Linken, mußte seit Anfang vergangenen Jahres ein Anzeigenminus von 28 Prozent verkraften.

Selbst Blätter, die noch mehr der politischen Mitte zuneigen als der Spiegel, wird, maßvoll freilich, Mores gelehrt. So liegt der Stern derzeit um neun Prozent unter seinem Anzeigenaufkommen des vergangenen Jahres, wobei freilich, so Verlagsdirektor Mai, „die Ausgangsbasis extrem hoch“, war. Aber auch die linkskatholische Wochenzeitung „Publik“, über die deutschen Bischöfe im vergangenen Jahr das Todesurteil verhängten, war schon vorher von etlichen Inserenten bewußt kurz gehalten worden.