Ob Medikamente, die das Blut dünnflüssiger machen, vor einem Herzinfarkt zu schützen vermögen, ist seit über einem Jahrzehnt heftig umstritten. Fest steht jetzt aber, daß sie gegen Vampire helfen.

Nach altem slawischem Volksglauben steigen nachts die Geister Verstorbener als Vampire aus dem Grabe, um Lebenden das Blut auszusaugen. Gegen solche Märchenfiguren hilft – wie dank einer Anzeigenkampagne inzwischen jeder weiß – veredelter Alkohol. Gegen blutsaugende amerikanische Fledermäuse aber, die nach den slawischen Geistern Vampire genannt werden, wußte bisher niemand rechten Rat. Nun wollen amerikanische und mexikanische Wissenschaftler die Blutsauger mit sogenannten Antikoagulanzien – Arzneimitteln, die die Gerinnungsfähigkeit des Blutes herabsetzen – bekämpfen.

Von Mexiko bis Argentinien fallen die blutsaugenden Fledermäuse nachts über Tiere und Menschen her, um ihnen den Lebenssaft abzuzapfen. Als einzige Säugetiere ernähren sich die etwa 7,5 Zentimeter langen und nur 30 Gramm schweren Vampire ausschließlich von warmem Blut. Die rotbraun bepelzten Blutsauger, die wegen ihrer Lebensweise, aber auch wegen ihrer eingedrückten Nase für menschlichen Geschmack abstoßend erscheinen, fliegen in die Nähe ihrer schlafenden Opfer, klettern mit zurückgeklappten Flügeln an ihnen empor und schlagen dann die messerscharfen Zähne in die Haut. Durch die röhrenförmig gerollte Zunge lassen sie das austretende Blut in den Magen laufen. Dabei gehen die Vampire so geschickt vor, daß die zur Ader Gelassenen nicht einmal aufwachen.

Wo Vampire verbreitet sind, ist Viehzucht vielfach unrentabel. Dabei ist weniger der Blutverlust ausschlaggebend, unter dem Nutztiere durch die Schmarotzer leiden. Stärker fällt ins Gewicht, daß Vampire durch die Bisse Krankheitserreger übertragen. Menschen werden nicht selten mit der tödlichsten aller Infektionskrankheiten angesteckt: mit Tollwut.

Lange Zeit bemühten sich Schädlingsbekämpfungsexperten vergebens, die so unsympathischen wie gefährlichen Blutsauger von Menschen und Nutztieren fernzuhalten. In ihrer Verzweiflung suchten sie den gesellig in Höhlen, alten Bäumen oder verfallenen Gebäuden hausenden Fledermäusen gar mit Dynamit und Flammenwerfern beizukommen. Doch diese Methode war nicht nur aufwendig und allzu begrenzt anwendbar, sondern auch bedenklich. Neben den Schädlingen wurden nützliche insektenvertilgende Fledermäuse vernichtet.

Einen Ausweg aus dem Dilemma wies die Beobachtung, daß die Fledermäuse auf blutverdünnende Antikoagulanzien empfindlicher reagieren als Rinder, Pferde oder Menschen und somit viel leichter in Gefahr geraten, durch die gerinnungshemmenden Mittel zu verbluten. Bei Experimenten zeigte sich, daß eine für Rinder harmlose Dosis des Blutverdünners für Vampire, die vom Blut der tödlich sein kann.

Dann entwickelten amerikanische und mexikanische Forscher ein raffiniertes Verfahren, das jeweils nicht nur den einzelnen Vampir, sondern auch seine Sippschaft tötet. Nach dieser Methode werden Vampire in der Nähe von Viehherden mit Spezialnetzen gefangen. Die Fänger schmieren den Tieren eine reichliche Portion einer antikoagulanzienhaltigen Paste in den Pelz und lassen sie wieder fliegen.