Zum 50. Firmenjubiläum erstreikten Jaguar-Arbeiter einen 160-Millionen-Verlust

Die 1800 Arbeiter der Jaguar-Werke in Coventry erwiesen sich großzügig: Zum 50jährigen „Geburtstag“ ihrer Firma schenkten sie dem Management einen Produktionsverlust von über 20 Millionen Pfund (160 Millionen Mark) – Folge eines am 23. Juni begonnenen Streiks.

Sir William Lyons, pensionierter 70jähriger Gründer-Präsident der Jaguar Cars, hält die Lage für sehr ernst. Für ihn sind die 1800 dabei, nicht nur sein Lebenswerk, sondern auch „die Arbeit eines halben Jahrhunderts loyaler Angestellter zu zerstören“. Eine Feststellung, die prompt von den Streikenden als „ungerechtfertigte Intervention“ in ihren Lohnkampf zurückgewiesen wurde.

Den aber wollen sie, koste es Jaguar, was es wolle (konkret 750 bis 800 Autos in der Woche), erfolgreich beenden: Mit Einkommensverbesserungen auf mindestens 45 Pfund (360 Mark) in der Woche und einer Erhöhung dieses Wochenverdienstes um drei Pfund (24 Mark) in spätestens sechs Monaten. Nach Ansicht der Streikenden kann Jaguar diese Gehaltssteigerungen verkraften. So läßt die Firmenleitung für ihre Nobelkutschen mit dem Hinweis werben, daß sie „weit unter dem Preis vergleichbarer Konkurrenten“ wie Mercedes Benz, BMW und Ferrari verkauft werden und trotzdem (zumindest) das gleiche leisten.

Sir William Lyons ökonomischer Hinweis auf die verheerenden Folgen des Arbeitskampfes für Jaguars Exporte und Kreditwürdigkeit verhallen darum ungehört. „Was meiner Ansicht nach jeder verstehen muß, ist, daß angesichts des Wettbewerbs unsere überseeischen Kunden nicht weiter mehr und mehr bezahlen wollen oder gar zufrieden bleiben, wenn Lieferungsverspredrangen immer wieder gebrochen werden“, warnte der Ex-Manager, 1969 höchstbezahlter Unternehmensdirektor der Insel. Auf 100 000 Pfund (800 000 Mark) wurde damals sein Jahreseinkommen als Boß der Jaguar Cars geschätzt.

In dieser Zeit bemühte sich Sir Williams stets und mit Erfolg, die Lohnerhöhungen seiner Arbeiter so niedrig zu halten, daß er nicht mit den Marktpreisen für seine Direktionswagen und Sportautos die Grenze überschritt, bei der die Nachfrage zurückgedrängt und damit die Produktion eingeschränkt wird. Diesem einfachen Prinzip ist es zu verdanken, „daß Jaguar heute 9000 Leuten in Coventry Arbeit bietet und sie mit den höchsten Löhnen der Gegend bezahlt“, tönt Sir William, über den in der Öffentlichkeit wenig bekannt ist, heute selbstzufrieden.

Für wahrscheinlich 3000 Arbeiter wird dies allerdings bald nicht mehr gelten: wenn Jaguars Ausfuhren, die normalerweise 80 Prozent der Produktion ausmachen, auf die Nachkriegsrate von zehn Prozent fallen. Dazu aber kann es schon recht früh kommen – besonders, wenn die Verschiffung der 1973er Modelle XJ 6, Jaguar E-Type (Sportwagen), vor allem aber der neuen XJ 12 nach den USA noch lange verzögert wird. Die USA sind Jaguars größter und gewinnträchtigster Exportmarkt.