Es gibt keine Gründungsanekdote in den Annalen von WEROP-Reisen. Das Hagener Touristikunternehmen dankt seine Existenz einer, so Geschäftsführer Karl Brand, „unternehmerischen Überlegung“. Die Gründer waren Kaufleute, die an Risikostreuung und Kapitalinvestitionen dachten. Man schrieb das Jahr 1953. Die Touristikbranche schien zukunftsträchtig. Das Reisebüro ist eine Tochter der Heizöl- und Flüssiggas-Versorgungsgesellschaft Westfa. Diplom-Kaufmann Brand: „Das zweite Bein der Familienholding.“

Der regionale Flugreisenveranstalter mit Charterketten ab Düsseldorf und Köln nannte sich analog seiner spanischen Ferienziele (Brand: „Wir haben ganz solide mit Mallorca angefangen ...“) zunächst Westeuropa-Reisedienst. Als die Düsenvögel ihre Schnauzen auch gen Osten richteten, wurde der Name (Brand: „Von der Entwicklung überholt“) zur Abkürzung zusammengezogen. Spanien und Bulgarien waren und blieben Hauptoperationsgebiete.

Die unternehmerische Überlegung war von Erfolg gekrönt. Das Reisebüro konnte bald auf dem zweiten Bein stehen (Stammkapital: 800 000 Mark; Mutter Westfa: drei Millionen). WEROP-Reisen arrangierte Omnibusketten an die Costa Brava. In den 50er Jahren war das Unternehmen mit 6000 Feriengästen im katalanischen Calella eins der größten im spanischen Urlaubsreisegeschäft. 1964 begann die Ära der Charterflüge. WEROP-Reisen fliegt mit LTU (Karl Brand: „Das Rückgrat“), AVIACO sowie bulgarischen, jugoslawischen und rumänischen Carriern. Prospekt (Auflage rund 350 000): „Wir fliegen nur mit erprobten und zuverlässigen Fluggesellschaften.“

Das Reisebüro rühmt sich, wie üblich, untadeliger Arrangements und absoluter Zuverlässigkeit. Es offeriert die üblichen Direktflüge (nur Jet), Ferienhotels aller Kategorien; Werbepreise und Spartermine. In der individuellen Betreuung dünkt es sich, möglicherweise zu Recht, der großen Veranstaltern überlegen. Karl Brand: „Das ist der Vorteil der kleinen Menge.“ In den Vertragshotels sind nie mehr als 30 bis 40 Gäste einer WEROP-Gruppe. Das Publikum ist bunt gemischt, Familien, aber auch viele Unverheiratete; Alter: zwischen 18 und 35 Jahre.

WEROP-Reisen arrangieren Flugreisen zu den klassischen Ferienstränden Europas sowie nach Tunesien und den Kanarischen Inseln. Als neue Urlaubsziele sind Korsika, Menorca und Salou bei Tarragona dazugekommen. Einen Urlaub von zwei Wochen in einer Frühstückspension in Calella gibt es schon ab 298 Mark. Dieser Eckpreis gilt auch für Bulgarien (Privatzimmer in Varna); zwei Wochen Mallorca und Andalusien kosten je hundert Mark mehr (Mallorca: Pension in einer Seitenstraße, volle Verpflegung; Andalusien: Pension im ersten Stock eines Apartmenthauses, Übernachtung mit Frühstück). Gran Canaria wird ab 508 Mark angeboten, Lanzarote ab 608 und Puerto de la Cruz ab 528 Mark.

WEROP-Reisen stützt sich auf ein risikoloses Verkaufskonzept. Karl Brand: „Das Programm wurde langsam, aber sicher, jedenfalls ohne gefährliche Experimente ausgebaut: Bulgarien, Costa Brava, Ibiza...“ Im kommerziellen Kalkül fehlt es jedoch nicht an einer romantischen Variante, als wollte der Veranstalter, in dessen Angebot sich eine vorsichtige, nüchterne Geschäftspolitik spiegelt, seinen Hut mit einer blauen Blume schmücken. Das sind Love-Story-Reisen. Sie sollen nicht an die traurige Geschichte von der blutjungen Amerikanerin erinnern, die, schon vom Tode gezeichnet, nach Europa reisen wollte. Diese Love-Story-Reisen sind Winterferien in der Sonne der Kanaren und Balearen für Flitterwöchner und Verliebte. Prospekt: „Mit Sonderservice und kleinen Aufmerksamkeiten ...“ Das Doppelzimmer im Hotel auf Ibiza kostet (Vollpension, zwei Wochen) 956 Mark, dazu gibt es als Geschenk ein Urlaubsbummel-Scheckheft für Nachtklub und Tanzdiskothek, einen Ausflug und ein bißchen Sport.

Das Touristikunternehmen mit der Zentrale in Hagen verkauft sein Angebot über 550 Reisebüros in Nordrhein-Westfalen und angrenzenden Gebieten. Im letzten Jahr wurden rund 30 000 Reisen gebucht. Umsatz: ungefähr 20 Millionen Mark. bo