Von Manfred Sack

Heitere Spiele? Bis Dienstagfrüh gab es nicht den leisesten Zweifel daran. Selbst Kritiker, die die Degeneration der olympischen Idee laut beklagen, wurden für eine Weile stumm, und das lag keineswegs am unerwartet strahlenden Wetter.

Doch dann zerstörten ein paar Araber das friedliche Nebeneinander sogar der Sportler aus dem Nahen Osten mit Maschinenpistolen und zerschossen eine Märchenwelt. Lassen wir noch einmal die Kulisse Revue passieren, die zehn Tage lang heitere Spiele geradezu provoziert hatte.

Zwar können ästhetische Wirkungen ziemlich genau berechnet, werden, doch keine Architektur und kein Design können Menschen oder Gesellschaften verändern, wohl aber beeinflussen, Voraussetzungen schaffen, Wege ebnen, stimulieren – wie „das Dach“ und wie die vielen schönen Nebensachen, von denen hier die Rede ist.

Der Berg

Der sieht aus, hörte ich jemanden sagen, wie einer aus der Bibel, dargestellt auf Bildern alter Niederländer oder alter Deutscher: Durch Fenster, unter Dächern oder zwischen Pfeilern hindurch sieht man den aus Schott getürmten Berg, eine stumpfe Kuppe, Bestandteil der ganzen, von dem Architekten Günther Grzimek erfundenen Olympia-Landschaft auf ehedem plattem Feld, die sich fortsetzt in Bergrücken, Nebenhügeln, erklimmbar direkt oder über Wege, die zwar genau kalkuliert-sind, aber ganz zufällig „richtig natürlich“ wirken. Wann immer man da hinüberblickt, bevölkern Menschen das voralpine Profil dieser heimlichen Dominante. In der Sprache der Organisatoren stellen der Berg und der See davor „Bereiche des nicht organisierten Vergnügens“ dar – für Ästheten ist der Berg die formale Entsprechung zum Dach: Positive Rundung gegen negative Rundung, der Berg wölbt sich, das Dach hängt durch – für Spaziergänger ist der Berg ein Berg, man kann weit gucken, bis tief in die Bayernhauptstadt hinein.

Das Pflaster