Der beschwerliche Weg vom erlauchten Herrensport zum echten Volkssport scheint beendet – das für den Segelsport bislang so typische Flair von Snobismus und kaiserlicher Tradition liegt in den letzten Zügen. So, wie das Segeln allerdings von der Mehrheit betrieben wird, hat es mit Sport wenig zu tun. Aber gerade das ist das Faszinierende an der Sache: daß Segeln sowohl harter Hochleistungssport sein kann als auch eine besondere Form der Erholung.

Ob Sport oder Erholung, niemand kam sich in einem einzigen Segellehrgang die hohe Kunst des Steuerns und richtigen Sciotenbedienens (Schoten sind die Taue, mit denen die Segelstellung reguliert wird) aneignen. Der wichtigste Lernfaktor ist die Erfanrung. 14 Tage, so lange dauert in der Regel der übliche Anfängerlehrgang in den meisten der über 50 bundesdeutschen Segelschulen Und da sich beinahe schon an jedem größeren Gewässer eine etabliert hat, braucht man meist auch gar nicht weit zu fahren, es sei denn, man legt auf eine imposante Kulisse Wert. In diesem Falle gibt es eine ganze Reihe Schulen an den bayerischen Voralpenseen und natürlich an der Küste. Mindestens genauso attraktiv sind die österreichischen Salzkammergutseen. Am Wolfgangsee werden während der Internationalen Segelwochen von Ende Mai bis Mitte Juni sogar kostenlose Segelkurse für Anfänger jeden Alters veranstaltet, und zwar sowohl in der Theorie als auch in der Praxis. Nähere Auskunft erteilt der Fremdenverkehrsverband in A-5360 St. Wolfgang/Österreich.

Wer keine zwei Wochen Zeit hat, kann in mehreren Schulen einen Acht-Tage-Kurs belegen. In diesem Falle ist die Chance, am Ende des Lehrganges den A-Schein abzulegen, freilich noch geringer als bei einem 14-Tage-Kurs. Der A-Schein, der einfachste der vier Führerscheine des Deutschen Segler-Verbandes, betrifft die Segelei auf Birnengewässern. Es folgt der BR-Schein für Revierfahrt, der BK-Schein für Küstenfahrt und als Krönung der C-Schein für Seefahrt.

Alle diese Scheine erwirbt der zukünftige Segler ausschließlich für seine eigene Sicherheit. Noch kann man nämlich auf bundesdeutschen und den meisten ausländischen Gewässern – mit Ausnahme des Bodensees, wo Führer von Booten mit mehr als zwölf Quadratmeter Segelfläche das Bodensee-Schifferpatent vorweisen müssen – ohne amtliche Prüfung, also ohne Schein, segeln. Wer sich indessen einmal ein Boot mieten oder chartern will, wird schnell die Vorzüge eines Segelführerscheines kennenlernen – desgleichen natürlich bei Schadensfällen. Man wirkt in jedem Falle glaubwürdiger, und zwar nicht nur gegenüber den Versicherungen.

Die Segelschulen im deutschsprach gen Raum beginnen mit ihren Kursen im allgemeinen Mitte bis Ende April und beschließen ihr Programm meist Ende Oktober/Anfang November. Wer sich für Frühjahr oder Herbst bei einer Schule anmeldet, kommt wohl kaum darum herum, sich neben den erforderlichen Segelschuhen und wenigstens einem dicken Rollkragenpulli auch noch die richtige Schlechtwetterbekleidung für den Segler, das sogenannte Ölzeug, anzuschaffen, denn nur in einem Teil der Schulen wird es leihweise zur Verfügung gestellt.

Etwas anders geht es da lediglich in jenen Segelschulen zu, die dem Deutschen Hochseesportverband „Hansa“ e. V. angeschlossen sind. Hier wird die Tradition noch hochgehalten, und Individualisten, denen die von der Schule verpaßte Einheitskleidung mit Pudelmütze und das etwas nach Marinedrill riechende Betriebsmilieu nicht zur Nase stehen, sollten sich da gar nicht erst einquartieren. Die Güte der Ausbildung in den DHH-Schulen ist indessen nach wie vor unbestritten.

Die überwiegende Mehrheit der Segelschulen hat sich aber zum VDS, dem Verband deutscher Segelschulen, zusammengeschlossen, der wie der DHH vom Deutschen Segler-Verband anerkannt ist und ebenfalls A-Schein-Prüfungen durchführen darf. Dem VDS gehören auch bereits österreichische Schulen an. Was den Preis betrifft, so müssen Sie für einen 14tägigen Kurs im Schnitt 500 bis 700 Mark auf den-Tisch legen, Kost und Logis inbegriffen. Sie können natürlich auch extern wohnen und speisen, so daß der reine Grundpreis bei etwa 250 bis 400 Mark liegt.