Frankfurt

Ihr Habitus Ist nach Eindruck der Bevölkerung der „eines US-Hilfssheriffs“. Die Männer des Armoured Car Service aus Frankfurt wissen dies und benehmen sich auch so. Sie tragen eine großkalibrige Smith + Wessen im Halfter und fahren täglich bis zu fünfzig. Millionen Mark in Panzerautos durch die Bankmetropole am Main. Rund 360 ehemalige Zimmerleute, Monteure, Schweißer und studentische Aushilfskräfte schaffen die Spargroschen der Bürger zu den Filialen der Geldinstitute und die Einnahmen der Supermärkte zu einbruchssicheren Tresoren.

Die Tochtergesellschaft des amerikanischen „Gemischtwarenkonzerns“ „Purolator Services incorporated“ verbirgt ihre Herkunft hinter der offiziellen Bezeichnung „Deutsche Sicherheits-Transporte GmbH“. Als Aushängeschild dient ihr Frankfurts Ex-Polizeipräsident, Geschäftsführer Littmann. Sie hat das Monopol für die gesamte Bundesrepublik, was Chauffeurdienste mit und für Millionen betrifft. Die Panzerwagen-Firma machte bereits vor Wochen durch innerbetriebliche Querelen von sich reden. Jetzt ist sie erneut in den Mittelpunkt der Diskussion geraten. ...

In der vorigen Woche wurde in Offenbach der 21 Jahre alte Fahrer Günter Bliard in seinem Panzerauto durch mehrere Kopfschüsse getötet, 1,8 Millionen Mark verschwanden, konnten jedoch schon einen Tag später bei der Verlobten des Beifahrers Robert Plumbohm in Wetzlar wiedergefunden werden. Während der stark tatverdächtige Lehramtsanwärter Plumbohm, der einen Tag nach dem Coup eine Schulklasse übernehmen sollte, wegen Verdacht des Raubmordes pausenlosen Verhören ausgesetzt wurde, erstatteten einige Ex-Mitarbeiter der „Deutschen Sicherheits-Transporte“ Strafanzeige gegen die Geschäftsleitung der Firma wegen „Begünstigung eines Verbrechens“. Ihr Vorwurf: Durch mangelnde Sicherheitsvorkehrungen sei die Bluttat geradezu herausgefordert worden. Sprecher Gerd Rademacher: „Es ist eingetreten, wovor wir immer gewarnt haben. Die wahren Schuldigen sollen jetzt Farbe bekennen.“

Im Werbeprospekt verspricht der in sieben Großstädten stationierte „Deutsche Sicherheits-Transport-Service“ ein „lückenloses, sicheres Transportnetz“. Beim Car-Service aber sehen es einige Beschäftigte anders. Ihre Vorwürfe: Die 87 Panzertransporter hätten kein oder nur ein unzureichendes Schleusensystem, mit zwei Mann eine unvollständige Besetzung, oft nicht funktionierende Alarmsirenen, Personal, das mit dem Funkgerät nicht umgehen könne, einen Funksprechapparat, dessen Reichweite nur begrenzt sei. Zudem würden Aushilfskräfte nach Vorlage eines polizeilichen Führungszeugnisses (Dr. Littmann: „Wir wissen, daß dies nicht viel besagt“) zu rasch eingestellt und der Tourenplan infolge einer zu hohen Auslastung nicht oft genug geändert. Zum Katalog; der Kritik gehört, daß es für eine im Arbeitsvertrag zugesicherte Lebensversicherung von 40 000 Mark noch keine Police, sondern nur eine Deckungszusage eines Versicherungsmaklers gibt. Durch die große Personalfluktuation kehrte nie Ruhe im Betrieb ein.

Beim Raubmord von Offenbach stellte sich schließlich heraus, daß Günter Bliard im Besitz des Schlüssels für die Transportkisten war, in denen sich die 1,8 Millionen Mark befanden, die von der Landeszentralbank Offenbach zur Stadtsparkasse gebracht werden sollten. Üblicherweise behalten Absender und Empfänger diese Schlüssel ein. Dr. Littmann spricht jetzt vom „großen Risiko“, als Robert Plumbohm auf eigenen Wunsch seine dritte Tour mit dem 21jährigen Günter Bliard antrat. Wie der Zweitschlüssel für das Panzerfahrzeug entwendet werden konnte, der angeblich stets im Safe des Büros verschlossen wird, ist der Geschäftsleitung immer noch „ein Rätsel“. Gerd Rademacher konterte: „Wo jeder an die Waffenkiste herankonnte, wird dies beim Tresor, der manchmal offenstand, nicht schwer gewesen sein.“ Rademacher erinnert sich, daß er mit Geldkassetten allein durch den Frankfurter Hauptbahnhof wandern mußte.

Doch nicht nur das Personal, das Anfang August in einen wilden Streik trat, beschwert sich über die Geschäftsleitung, auch die Vorgesetzten haben manches an den Millionen-Chauffeuren auszusetzen. So stellten die mit Teleobjektiven ausgestatteten Kontrolleure fest, Besatzungen hätten mit Millionen im Hanomag an Imbißhallen Halt gemacht und munter Würstchen verzehrt. Bei Leerfahrten seien auf Frankfurts Strich „Damen“ zugestiegen, um im Tresorraum zwischen Geldkisten ein Schäferstündchen „auf die Schnelle“ zu haben.