Der deutsche Bauernverband hat einen Konkurrenten aus dem eigenen Lager bekommen. Die „Landwirte im Nebenerwerb“ können jetzt einer eigenen Interessenvertretung beitreten, die kürzlich gegründet wurde.

Der Bauernverband, der bisher allein die Forderungen der grünen Front vertrat, wird von den Besitzern landwirtschaftlicher Großbetriebe beherrscht. Seit langem klagen viele der kleineren Landwirte, die einem Nebenerwerb nachgehen müssen oder zumindest auf nicht-landwirtschaftliche Nebeneinnahmen angewiesen sind, daß der Bauernverband sich zu eng an den Interessen der Großen orientiert. Die vom Staat verlangten Hilfen sind für die kleinen Betriebe zum Leben zuwenig und zum Sterben zuviel. Rationell wirtschaftende Großbetriebe, die auch ohne Subventionen lebensfähig wären, streichen dagegen ein zusätzliches Einkommen ein.

Für den Bauernverband ist die neue Konkurrenz gefährlich. Bereits heute bewirtschaften mindestens 45 Prozent der Bauern Nebenerwerbsbetriebe, weitere 16 Prozent haben nennenswerte Nebeneinkünfte. Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft. Die Frage ist nur, ob die beiden Verbände sich im Kampf um Mitglieder und Einfluß gegenseitig mit vernünftigen Vorschlägen zur Agrarpolitik oder mit immer maßloseren Subventionsforderungen zu überbieten versuchen. Nach allen bisherigen Erfahrungen ist die zweite Möglichkeit die wahrscheinlichere.