Arabische Terroristen, Angehörige der Palästinenser-Organisation „Schwarzer September“, haben am Dienstag einen blutigen Anschlag auf die israelische Olympiamannschaft im Münchner olympischen Dorf verübt und fast das gesamt te Team ermordet. Nach 4.30 Uhr früh bemächtigten sich die Partisanen des israelischen Quartiers in der Connollystraße, erschossen dabei den Gewichthebertrainer Moshe Weinberg (seine Leiche. legten sie später vor die Tür) und nahmen neun israelische Sportler als Geiseln fest.

Gegen 5.30 Uhr traf die Polizei ein und begann, das gesamte Dorfgelände abzuriegeln, im Laufe des Tages von Tausenden von Schaulustigen immer stärker behindert. Etwa drei Stunden später stellten die mit Maschinenpistolen, Sprengsätzen und Handgranaten bewaffneten Palästinenser ihre Förderungen: Freilassung von 200 in Israel gefangenen Arabern und freies Geleit. Andernfalls würden sie ihre Geiseln sofort töten. Später verlangten sie, daß ein Mitglied der Bundesregierung mit ihnen und den Geiseln in ein arabisches Land fliegen sollte.

Praktisch vor den Augen der Welt – die Journalistenteams berichteten pausenlos – wurde den ganzen Tag über verhandelt. Auf deutscher Seite schalteten sich Innenminister Genscher und der Münchner Polizeipräsident Schreiber ein. Die Terroristen verlängerten zwar mehrmals ihr Ultimatum, gingen aber auf kei-‚nes der deutschen Angebote ein: „Lösegeld“ in unbegrenzter Höhe oder Austausch der Geiseln gegen deutsche Freiwillige. Nicht einmal ein Arzt durfte das Haus betreten, obschon ein weiterer Israeli im Sterben lag.

Gegen 22.30 Uhr schienen die Araber dann zu einem Entschluß, zu kommen: Mit zwei Hubschraubern flogen sie und ihre Geiseln zum Fliegerhorst Fürstenfeldbruck, wo eine Düsenverkehrsmaschine bereitstand. Während einer der Terroristen die Maschine inspizierte, kam es plötzlich zu einem Feuerwechsel zwischen Scharfschützen der Polizei und den Arabern. Vier Freischärler wurden erschossen. Die anderen drei erwiderten das Feuer und warfen eine Handgranate in einen Hubschrauber. Alle neun Geiseln kamen ums Leben. Getötet wurde auch ein Polizist. Ein Hubschrauberpilot erlitt lebensgefährliche Verletzungen, mehrere Polizisten wurden leicht verletzt. Nach mehrstündigem Feuergefecht konnten die restlichen Freischärler, gleichfalls schwer verwundet, festgenommen werden,

In seltener Einmütigkeit hat die ganze Welt das Verbrechen verurteilt. Auch die arabischen Länder distanzierten sich von dieser Tat. Wie Regierungssprecher Ahlers erklärte, wollte die Bundesregierung von Anfang die Freischärler daran hindem, mit ihren Geiseln zu entkommen.

Die Olympischen Spiele wurden am Dienstagnachmittag unterbrochen. Das Kabinett in Jerusalem hatte auf einer Sondersitzung den Abbruch gefordert, aber zugleich erklärt, daß es den Forderungen der Palästinenser nicht nachkommen werde. Das Internationale Olympische Komitee hatte Bundeskanzler Brandt dringlich gebeten, keinesfalls einem Abtransport der Geiseln ins Ausland zuzustimmen. Bei der Trauerfeier am Mittwochvormittag im Olympiastadion, an der die arabischen Sportler nicht teilnahmen, verkündete IOC-Präsident Brundage, daß die Spiele mit allen Wettbewerben fortgesetzt werden. In Israel wurden energische Vergeltungsaktionen gegen die Stützpunkte der Guerillas angekündigt.