Von Dietrich Strothmann

Am vergangenen Wochenende kündigte der Fernsehmoderator aus dem Olympia-Sonderstudio zur gewohnten Zeit die „Tagesschau“ -Sendung mit den Worten an: „Sie haben gerade heitere Spiele gesehen. Hoffentlich kommen jetzt auch heitere Nachrichten...“ Der Zuschauer wußte im voraus, was kam: das Übliche, „Normale“. Kriegsbilder aus Südvietnam, Szenen von der Ankunft ausgewiesener Uganda-Asiaten auf dem Londoner Flughafen, Gast im Gespräch mit Minister Scheel... Meldungen vom Tage, übliche, normale Nachrichten.

Auch der Krieg, der schon Jahre dauert, fern in Indochina, selbst die vietnamesischen Flüchtlinge mit ihren Gesichtern ohne Hoffnung – längst nichts Ungewöhnliches mehr.

Die Spiele in München waren an jenem Tage noch heiter, die Stimmung beschwingt. Am Montagabend, als eine 16jährige Schülerin völlig unerwartet die Goldmedaille im Hochsprung gewann, brachen 60 000 Zuschauer in Jubel aus. Gemeinsame Freude, spannender Sport.

Und dann 12 Stunden später: das Verbrechen palästinensischer Terroristen der Kommandotruppe „Schwarzer September“ an den Geiseln der israelischen Mannschaft. Zerstoben mit einemmal aller Glanz, jede Heiterkeit, der schöne Schein zum Trug geworden, zerstört die Fiktion von der „friedlichen Olympiade“, von den „heiteren Spielen“, nur noch ein Schemen das Schaustück von der „heilen Welt“, die sich im Wettstreit der Jugend aus aller Herren Länder in München dokumentierte.

Sport und Politik sind eben, entgegen den Wunschträumen mancher Olympia-Organisatoren, zwei Seiten, derselben Münze. Spätestens seit dem unerfreulichen Rhodesien-Fall müssen dies nun endlich auch die letzten Anhänger der reinen Lehre „vom edlen Wettstreit auf der Aschenbahn“ akzeptieren.

Sport und die Wirklichkeit dieser Welt, von Krieg und politischen Verbrechen erfüllt, lassen sich länger nicht durch Bannmeilen, Gelöbnisse und Polizeieinsätze voneinander scheiden. So wenig, wie Passagierflugzeuge heute jederzeit und an jedem Ort sicher sind vor Attentaten. Auch wenn die Untersuchungen in München ergeben sollten, daß die Kontrollen im Olympia-Dorf unzureichend waren, daß im Alarmplan der Münchner Polizei ein solcher Anschlag nicht „eingeplant“ war und daß der Befreiungsversuch mißglücken mußte, weil er dilettantisch ausgeführt wurde – alle noch so ausgeklügelten Vorkehrungen hätten diese Untat fanatisierter Araber, die auch den eigenen Tod einkalkuliert hatten, nicht verhindern können. Versäumnisse und Fehlplanungen allein erklären nicht, daß Verbrechen möglich sein können.