Ernüchtert zogen Münchner Brauer Bilanz. In ihren vier Großgaststätten auf dem Olympiagelände mit 16 000 Plätzen ist „der erwartete Massenansturm ausgeblieben“. Die Hoffnung, im Umkreis der „heiteren Spiele“ könne sich ein Vor-Oktoberfestbetrieb mit Wies’n-Atmosphäre organisieren lassen, mußte rasch begraben werden.

In vorolympischen Begeisterung hatte der „gastronomische Berater“ des Organisationskomitees (OK) allen Ernstes mit einem vier- bis sechsfachen Umschlag pro Tag gerechnet, für die zwei Olympiawochen insgesamt mit einem 16-Millionen-Mark-Umsatz. Eine Mindestpachtsumme von zwei Millionen Mark wurde als „angemessen“ angesehen.

Die „Wirtschaftsvereinigung Münchner Brauereien GmbH“ hingegen hielt diese Schätzungen für unrealistisch. In zähen Verhandlungen erklärten sich die Brauer bereit, nur 400 000 Mark hinzulegen, die auf die vereinbarte 15prozentige Umsatzbeteiligung des OK angerechnet werden sollen. Nun ist man froh, wenn man auf drei bis vier Millionen Mark Umsatz in den von erfahrenen Wies’n-Wirten geleiteten Gaststätten (mit zusammen tausend Kräften) kommt. Das bereits gezahlte Minimum dürfte, wenn überhaupt, nur wenig überschritten werden. An den ersten vier Tagen wurden gerade eine Millionen Mark umgesetzt – zumeist herrschte gähnende Leere.

Besonders schlecht schnitt bisher das Restaurant Süd ab, das für „gehobene Ansprüche“ gedacht war. Zu hohe Preise, die nach Meinung der Veranstalter auch noch „aufgebauscht“ und von Oberbürgermeister Kronawitter persönlich attackiert worden waren, hatten schon Wochen vor Beginn der Spiele potentielle Gäste verschreckt.

Als Fehlkalkulation erwies sich Schließlich vor allem das im Süden des Olympiaparks aufgebaute Bierzelt mit allein 3000 Plätzen. Städtische Olympiaplaner hatten das Zelt gefordert, um nach Schluß der Veranstaltungen den zur Straßenbahn drängenden Menschenstrom „aufzufangen“. Doch die meisten Besucher kommen mit den modernen Massenverkehrsmitteln U- und S-Bahn aufs Oberwiesenfeld. Die zur Straßenbahnhaltestelle hin gelegenen Teile des Olympiaparks bleiben leer, das Süd-Zelt ist somit überflüssig.

Erst seit Beginn der Leichtathletikwettkämpfe sind auch die Gastronomen heiterer – auch in den Restaurants der Innenstadt, die zunächst ebenso wie die Einzelhändler laute Klagen über den ausgebliebenen Olympiaboom anstimmten.

Gerhard Ohneis, Geschäftsführer des Vereins Münchner Brauereien, gibt sich daher zuversichtlich: „Ich sehe jetzt gar nicht mehr so schwarz.“ Er hofft, daß man auf dem Oberwiesenfeld bis zum Ende der Spiele in allen vier Gaststätten zusammen an die 5000 Hektoliter Bier ausschenken kann – das ist etwa das Achtel des Konsums auf dem Oktoberfest. Der Goldsegen für die deutsche Mannschaft am letzten Wochenende mag auch den Bierkonsum zu ersten Höhen getrieben haben.