General Ramanantsoa, seit den Mai-Unruhen dieses Jahres Chef einer Regierung der nationalen Einheit auf Madagaskar, verblüffte die Öffentlichkeit durch zwei ungewöhnliche Maßnahmen. Mitte voriger Woche verhängte er unerwartet über die Insel das Kriegsrecht – begründet mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten und der Notwendigkeit, daß die Regierung in einem „friedlichen Klima“ arbeiten können müsse –, einen Tag später kündigte er für den 8. Oktober einen Volksentscheid an. Das Volk soll ihn und seine Regierung für fünf Jahre unabsetzbar im Amt bestätigen, damit die notwendigen Strukturreformen durchgeführt werden können.

Für beide Entscheidungen hatte der politisch neutrale Ramanantsoa gewichtige Gründe. Vom 4. bis 19. September wollen in der Hauptstadt Tananarive 10 000 Mitglieder jener KIM-Bewegung – Lehrer, Gewerkschaftler, Studenten – tagen, die im Mai Präsident Tsiranana zum Rücktritt zwangen. Zwar hat der General mittlerweile eine ihrer Forderungen erfüllt – keine Kontakte mit Südafrika –, aber die Ursachen der Unruhen sind noch nicht beseitigt: weder die bisherige Ausrichtung auf Frankreich im Bildungssektor noch die Wirtschaftsmisere.

Ramanantsoa hat mehrfach behauptet, „linke Gruppen“ wollten ihn aus der Regierung entfernen. Im Süden der Insel ist die nationalistisch-sozialistische Montma-Bewegung wieder aktiv geworden. Löst Madagaskar aber die engen Bindungen zu Frankreich, bleibt die Frage, woher es seine Kredite nehmen will.