Meine Reise beginnt in Münster. Einen Tag lang lasse ich mich durch die Stadt treiben, betrachte Dom und Rathaus und darin den Friedenssaal mit der symbolischen Darstellung vom Ende des Krieges, beide Streiter geköpft.

Gleich hinter Münster erweise ich in Burg Hülshoff und im Rüschhaus der Annette Reverenz, Deutschlands großer Dichterin (eine Bewertung, die auch heute in ihrer Heimat nicht selten mit einem zweifelnden „So, so“ quittiert wird).

In Coesfeld, der nach dem Krieg trostlos aufgebauten Stadt, halte ich, um das frühgotische Gabelkruzifix in der Lambertikirche zu sehen.

Hinter Burgsteinfurt in Welbergen entdecke ich ein kleines Renaissance-Schloß, das als holländische Stiftung, seit kurzem fürs Publikum offen, die Verbindung zum Nachbarland hält.

Vor dem Portal des imposanten Schlosses Gemen, das als Jugendburg des Bistums Münster keine Besucher empfängt, begrüße ich wieder einmal die beiden so gar nicht martialischen Steinlöwen, die seitlich die Treppenstufen abwärts schleichen. Mit einem Boot auf den Teichanlagen gerudert und den Blick auf die schöne Rundanlage genossen. Ganz in der Nähe, auf der Terrasse an der verträumten Gräfte des Wasserschlosses Raesfeld trinke ich einen Espresso. Der Wirt ist aus Bologna und serviert auf Wunsch Saltimbocca à la Romana. Im Süden des Münsterlandes kehre ich in das Schloßhotel Lembeck ein. Es ist eins der feudalsten und eigenwilligsten Wasserschlösser.

Durch den Naturpark Hohe Mark nach Lüdinghausen. Noch ein Schloß: Vischering, eine der markantesten und ältesten Rundburgen, in der seit kurzem eine nicht ganz überzeugende, etwas emotionelle landeskundliche Ausstellung gezeigt wird. Übrigens sind die Gemälde und Einrichtungen mancher Schlösser mehr geschichtlich als künstlerisch sehenswert. Man muß auswählen, der Dehio hilft.

Von hier aus sind es nur noch wenige Kilometer bis Dortmund. Ich will nach so viel Vergangenheit die großartige Sammlung moderner Bilder im Museum am Ostwall sehen. Ausgerechnet am Sonntagnachmittag sind hier die Museen geschlossen. Nur die vielen Bierhäuser sind offen und die Kirchen. Die Marienkirche wird restauriert. Das Marienaltarbild des Conrad von Soest, eins der wichtigsten Zeugnisse gotischer Malerei, ist nicht zu sehen. Pech des Reisens.