Die Bundesregierung hat dem Vorschlag der Unionsfraktion zugestimmt, die für den 1. Januar 1973 geplante Rentenerhöhung um 9,5 Prozent auf den 1. Juli dieses Jahres vorzuziehen. Neuere Berechnungen hätten ergeben, so erklärte Bundesarbeitsminister Arendt am Montag, daß sowohl die vorgezogene Anpassung wie die Rentenreform finanziert werden könnten; die Reserven seien damit allerdings bis zur Grenze des Möglichen ausgeschöpft.

Zur Rentenreform der Koalition zählen die Einführung der flexiblen Altersgrenze und des „Babyjahres“, Öffnung der Rentenversicherung für Selbständige und die Rentenberechnung nachdem Mindesteinkommen. Obwohl die Regierung der Opposition mit der vorzeitigen Erhöhung und dem Verzicht auf eine pauschale Erhöhung um 20 Mark entgegengekommen ist, reagierte die Union zurückhaltend. Ihr Widerstand richtet sich vor allem gegen das Babyjahr. Auch bei der flexiblen Altersgrenze vertritt die Union abweichende Vorstellungen (siehe auch Seite 33). Das Gesetz soll am 18. September verabschiedet werden.

Nach Arendts Darstellung haben sich die Rücklagen der Rentenversicherung auf über 221 Milliarden Mark erhöht und damit den Spielraum für Mehrausgaben um etwa 19 Milliarden erweitert.