Von Maria McGuire

Die blutigen Wirren in Nordirland erscheinen, von außen betrachtet, als Bürgerkrieg, als Religionskonflikt oder als Freiheitskampf einer nationalistisch-marxistischen Untergrundbewegung, denen sich allenfalls noch ein historischer Sinn unterlegen ließe. Dieser Bericht aus der Intimsphäre der IRA-Führung jedoch zeigt, wie ein Klüngel machtgieriger und skrupelloser Kleinbürger die Hoffnungen und Ideale ihrer Gefolgschaft mißbrauchen. Ein sozial-psychologisches Lehrstück über das Wesen einer, Stadtguerilla.

Die meisten Mitglieder der Provisorischen Irischen-Republikanischen Armee (IRA) und der Republikanischen Bewegung insgesamt mögen diese Schilderung für den schlimmsten Verrat halten. Aber ich hielte es für den eigentlichen Verrat, wenn ich stumm bliebe. Denn ich weiß, daß die Republikanische Bewegung ihre guten Ziele und die vielen überzeugten Menschen in der Bewegung den Interessen eines einzigen Mannes opfern Sean Mac Stiofain.

Die Ziele der Republikanischen Bewegung sind: die militärische oder wirtschaftliche Herrschaft der Briten in Irland zu brechen und eine demokratisch-sozialistische Regierung in einer wiedervereinigten Republik zu errichten, in der die katholische Kirche dann vom Staat getrennt sein soll. Ein neues Irland.

Wie aber kann man es rechtfertigen, wenn man als Werkzeug eines Mannes benutzt wird, der protestantische Bombenopfer leichthin als Fanatiker abtut, die den Tod verdient haben? Es bedeutet doch nur: daß immer mehr irisches Blut vergossen wird, um eine neue Generation heranzuziehen, die wiederum von Blut und Haß genährt ist.

Irland hat schon zu viele Märtyrer. Man hat allgemein in der Bewegung geglaubt, im Jahre 1972 würden ein für allemal die Schußwaffen aus der irischen Politik verschwinden. Bis vor kurzem war ich davon überzeugt, daß die Republikanische Bewegung als einzige diesen Wandel herbeiführen könne. Jetzt hat man es zugelassen, daß sie wieder ihre traditionelle schlimme Rolle übernommen hat, die einer sich verewigenden religiösen Sekte. Nur ist sie diesmal noch übler dran, weil sie jetzt von einem einzigen Mann gegängelt wird.

Deshalb muß ich reden, vor allem zu dem Fußvolk der Organisation, das wegen der seit jeher bestehenden äußersten Geheimhaltung in der Bewegung nicht wissen kann, was an der Spitze geschieht.