DIE ZEIT

Urlaubsreisen

Wenn eine so unpolitische Angelegenheit wie Urlaubsreisen in ein fremdes Land mit politischem Prestigedenken belastet wird, dann müssen viele Unschuldige darunter leiden.

Geschäftsführer

Oppositionsführer Rainer Barzel hat das Wort von der „geschäftsführenden Regierung“ gebraucht, die man vor parlamentarisch nicht gedeckten Aktivitäten und vor der man vor allem das Ausland warnen müsse: Sie dürfe vor der Neuwahl des Bundestages nichts mehr verbindlich machen, was dieser neu zu wählende Bundestag in eigener Zuständigkeit zu beschließen habe.

Ein Schuß nach hinten

Seine Berater haben dem Kanzler einen Bärendienst geleistet, als sie in der Niederschrift des Spiegel-Gesprächs den fatalen Korruptionsvorwurf gegen die „Mandatsüberträger“ stehenließen – und er selber machte die Sache noch schlimmer, als er obstinat dabei blieb.

Asien für die Asiaten

Das Jahr 1972 hat in mehrfacher Hinsicht historischen Rang. Die Bonner Ostverträge und das Viermächteabkommen über Berlin markieren das Ende jenes europäischen Bürgerkrieges, der fünfzig Jahre zuvor auf dem Balkan begonnen hatte.

Europäische Elegie

Die Europäische Gemeinschaft ist noch einmal davongekommen. Auf die kalte Dusche aus Norwegen folgte der erwärmende Zuspruch aus Dänemark.

Zeitspiegel

General Amin, unumschränkter Herr von Uganda, hat einen unverhofften Bundesgenossen gefunden. Wenige Tage nach dem Einfall regimefeindlicher Partisanen in den Südteil des Landes gab ihm Moskau publizistische Schützenhilfe.

Bundestag: Das Amt sitzt ihm wie angegossen

Hier und da ist schon zu hören, Kai-Uwe von Hassel habe ein parteipolitisches Süppchen angesetzt, als er den Bundeskanzler bat, seinen Korruptionsverdacht gegen Bundestagsabgeordnete zu erklären.

Worte der Woche

„Die Sowjetunion ist aus Prinzip gegen Terrorakte, die die diplomatische Aktivität der einzelnen Staaten und ihrer Repräsentanten, die Verkehrsverbindungen sowie den normalen Verlauf internationaler Kontakte stören“.

Ausweisung: Sippenhaft gegen Araber?

Ein schlichter Bürger soll einmal auf die Frage, was er unter Rechtsstaat verstehe, geantwortet haben: „Wenn es morgens um sechs an meiner Haustür klingelt, weiß ich genau, daß es nur der Milchmann sein kann.

Was Strauß für fair hält

Mit Schiller hat ein Mann... die letzten politischen Verbindungen zur SPD abgebrochen, weil er nicht einmal mehr als Mitglied .

Wahlkampf: Strauß – Teufel an der Wand

Wie es in den Wald hineinruft, so hallt es häufig gräßlicher zurück – dieses von Herbert Wehner so umfrisierte deutsche Sprichwort charakterisiert trefflich den Stil, des Wahlkampfes, wie er sich allparteilichen guter Vorsätze zum Trotz bereits in den ersten Wochen entwickelt hat.

Berlin-Abkommen: Gefecht mit Finten

Immer deutlicher wird die Absicht der DDR, die praktischen Teile, der Berlin-Vereinbarungen korrekt und reibungslos zu verwirklichen, jedoch die von den vier Mächten bestätigten politischen Bindungen West-Berlins an die Bundesrepublik zu relativieren oder zu bestreiten, wo immer sich ein Anlaß bietet.

Parteitag in Blackpool: Labour liegt fest

Zehn Monate im Jahr blicken Regierung und Opposition einander im Londoner Unterhaus an. Das Weiße im Auge des Gegners kennen sie so gut wie die eigene Parteifarbe.

Gierek in Frankreich: Polen will Kredite

Er war ein richtiger Wühler und ein guter Kumpel.“ „Ich habe immer gewußt, daß aus ihm etwas werden würde, aber nun gleich der erste Mann Polens, das hätte ich nicht gedacht.

Labour-Parteitag : Ruck nach links

Einen deutlichen Linksruck gab es auf dem Parteitag der britischen Labour-Partei in Blackpool. Mitglieder des linken Flügels wurden mit großen Mehrheiten in die Exekutivausschüsse gewählt; sie und die Gewerkschaften bestimmten auch Ton und Inhalt der Resolutionen.

Dokumente der Zeit

Wenn aber die Erkenntnis zutrifft, daß die großen Bedrängnisse der Menschheit nur durch gemeinsame Anstrengung bewältigt werden können, dann ist die Bemühung um den Frieden die Voraussetzung für alle anderen Bemühungen, sowohl um den internationalen Frieden wie auch um eine vernünftige Weiterentwicklung unserer eigenen Gesellschaft.

Aktuelle Krisenherde

Die Gerüchte über eine Waffenruhe, die unter Umständen auch über den Kopf Saigons hinweg ausgehandelt wird, haben sich in der vergangenen Woche wieder verstärkt, nachdem sich Präsidentenberater Kissinger mit dem nordvietnamesischen Politbüromitglied Le Duc Tho in Paris getroffen hat.

Wieder Kriegsgefahr in Südarabien

Seit einer Woche kommt es im Grenzgebiet zwischen den beiden jemenitischen Staaten zu Kämpfen, die sich am Wochenende zu einem regulären Krieg auszuweiten drohten und damit alle von der Arabischen Liga eingeleiteten Friedensbemühungen torpedierten.

Streit um „Korruption“

Der Vorwurf des Bundeskanzlers, bei dem Fraktions- und Parteiwechsel einiger Bundestagsabgeordneter sei Korruption im Spiele gewesen, ist noch immer nicht aus der Welt geschafft.

Einigung Tokio - Peking

Nach 35 Jahren offiziell nicht beendetem Kriegszustand sind Japan und die Volksrepublik China in der vorigen Woche übereingekommen, diplomatische Beziehungen aufzunehmen und den „anomalen Zustand“ zwischen beiden Staaten zu beenden.

Dänemark: Ja zu Europa

Mit einer doppelten Überraschung endete in Dänemark die Volksabstimmung über den Beitritt des Landes zur Europäischen Gemeinschaft: Nachdem die unerwartet hohe Zustimmung der Dänen zur EWG registriert worden war, gab der dänische Ministerpräsident Jens Otto Krag am selben Tage seinen Rücktritt bekannt.

SALT-Abkommen: In Kraft gesetzt

Die USA und die Sowjetunion haben in der vergangenen Woche die beiden Bestandteile der SALT-Vereinbarung in Kraft gesetzt. Der Oberste Sowjet ratifizierte beide Abkommen – die auf fünf Jahre befristete Beschränkung der Offensivwaffen und den Vertrag über die Begrenzung der Raketenabwehrsysteme.

Das Europa der Fakten

Seit gut einem Jahr ist gemäß den Beschlüssen der Haager Gipfelkonferenz von 1969 und auf der Grundlage des anschließenden „Luxemburger Berichts“ von 1970 zwischen den sechs und seit kurzem zwischen den zehn Partnern der Europäischen Gemeinschaften erstmalig eine politische Zusammenarbeit zustandegekommen, die in diesem Rahmen diesen Namen wirklich verdient.

Heinemann in Bern: "Er wäre ein guter Schweizer"

Es hatte ein Staatsbesuch werden sollen und geriet zu einem eher familiären Ereignis, in dem sich Protokoll, Pannen, Respekt und freundlich-distanzierte Zuneigung in unverkennbar Schweizer Art mischten.

Bulgarien: Verlobung in Sofia

In dem modernen und bereits für eine Botschafterzukunft eingerichteten Haus der Handelsvertretung der Bundesrepublik Deutschland in Sofia knallten die Sektkorken.

Wandlungen in der USSR: Gesucht: Der neue Sowjetmensch

Über weiten Gebieten Rußlands brütete dieses Jahr monatelang die Sonne, in anderen hatte Frost ohne Schnee die Wintersaat erfrieren lassen, in manchen Gegenden legten schwere Regenfälle das hochgewachsene Getreide nieder und vernichteten es am Halm.

Kriegsreste in Nordrhein-Westfalen: Auf Bomben sitzengeblieben

Fast dreißig Jahre nach Kriegsschluß muß Nordrhein-Westfalen immer noch Millionen aufbringen, um Bomben und Granaten zu beseitigen, die in fast allen Landesteilen herumliegen, obwohl die staatlichen Raum- und Sprengkommandos in der Zeit von 1949 bis Anfang 1972 nicht weniger als knapp 10 Millionen Stück Artilleriemunition, 8 Millionen Stabbrandbomben und Panzerfäuste sowie 9 Millionen Sprengkörper verschiedenster Art und 130 241 Fliegerbomben unschädlich gemacht haben.

Lokalzeit: Müllkrieg in Wuppertal

Optimistische Stadtverwaltungsoffizielle mögen sich gedacht haben, damit das Image Wuppertals aufzupolieren, wobei allerdings bemerkt werden sollte, daß Wuppertal bereits fleißig Punkte sammelte, als es gleichzeitig Gesamthochschulstadt und Bundesligastadt wurde.

Wahlkampf in der Provinz: Tippeln für die CDU

Am frühen Mittag erscheinen auf dem Hügelrücken über Krottelbach vier Wanderer. Am Ortseingang treffen sie auf einen einsamen, stoppelbärtigen Mann, der zur Feldarbeit will.

Zwangsauf enthält: Keiner will sie haben

Das Niemandsland zwischen den Einwanderungsbestimmungen Großbritanniens, den Bedenken der Bundesrepublik, den Kompetenzen der indischen Regierung und den Pflichten der Deutschen Lufthansa liegt im fünften Stock des Frankfurter Rhein-Main-Airport-Verwaltungsgebäudes.

Olympia-Pressechef wird CSU-Kandidat: Alle lieben Johnny

Er kam, sah und siegte. Hans Klein, der sich gern „Johnny“ nennen läßt, hat die Karriere als Münchner Olympia-Pressechef hinter sich und nahm*-die erste Hürde seiner politischen Laufbahn mit Bravour: Er, wurde vergangene Woche ganz glatt mit 39 von 59 gültigen Delegiertenstimmen zum Bundestagskandidaten der Christlich-Sozialen Union im Wahlkreis München-Mitte nominiert.

Leid – zeitlos verkürzt

Wie sich die Szenen glichen: Als vor Jahren in Zürich Edward Bonds „Early Morning in der Inszenierung von Peter Stein zum erstenmal deutschsprachig aufgeführt wurde, da kam es bei einer Folterszene zu einem Eklat.

Alles neu?

Relativ früh, wegen der Olympiade, mußte die neue Intendanz des Bayerischen Staatsschauspiels ihr erstes Paradepferd an die Rampe tänzeln lassen: Felsensteins „Wallenstein“ eröffnete die neue Spielzeit der neuen Hausherren so, daß viele Kritiker das Fürchten zu lernen begannen.

Düsseldorfs Denkmale

Mitte Oktober wird in Düsseldorf zu Ehren des für diesen Zweck größten Sohnes der Stadt eine internationale Heine-Tagung stattfinden.

Zur Heinrich-Heine-Diskussion: Medaillen-Kehrseite

Der Schweizer Walter Rüegg ist Ordinarius für Soziologie an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät in Frankfurt. Er war Rektor der Frankfurter Universität und ist Gründungsmitglied des Bundes „Freiheit der Wissenschaft“.

Zeitmosaik

Das Gezerre zwischen Konstanzer Universität und Stuttgarter Kultusministerium um die Grundordnung der einst als Reformmodell konzipierten Hochschule dauert an.

Kölner Kunstmarkt: Fragen an einen Galeristen

Vom 3. bis 8. Oktober findet der Kölner Kunstmarkt statt, zum 6. Mal bieten die im „Verein progressiver Kunsthändler“ versammelten Galeristen und die von ihnen geladenen Kollegen dem Publikum ihre Ware an: Schon und erst sechs Jahre ist es her, daß die Idee, die Kunst zu Markte zu tragen, Staub aufwirbelte.

Jugendbuch: Wirklichkeitsfremd

Jugendliteratur braucht mehr als Autoren, Verleger und wie immer geartete Käufer. Sie braucht Mentoren und Paradieseshüter, Aggressoren und vor allem Nachwuchs, denn „tantenhaft“ ist gleich nach „repressiv“ schon zu Wolgasts Zeiten um die Jahrhundertwende das Schlimmste gewesen, was man ihr vorwerfen konnte, wenn auch die Vokabeln des Vorwurfs damals anders geklungen haben.

Kunstkalender

Man kannte Ad Reinhardt in Europa eigentlich nur aus enthusiastischen Berichten, die ihn als den Vollender der abstrakten Malerei feierten, und aus markanten Sätzen, die seinen Aufsätzen und Statements entnommen sind und sich mit dem Problem von „Kunst als Kunst und nichts als Kunst“ befassen.

Filmtips

Im Fernsehen: „Die Bestie“ (USA 1956), von Fritz Lang (Hessen III 12. Oktober). „M“ in Amerika. In seinem vorletzten Hollywoodfilm erzählt Lang die Geschichte eines kranken Mörders, der von drei rivalisierenden Zeitungsreportern gejagt wird.

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