Jörg Schröder, der Chef des März Verlags, rechnet mit seiner Vergangenheit ab

Von Dieter E. Zimmer

Das hier wird keine Rezension. Wie irgendein neutrales Objekt auf einen literarischen Wert abklopfen läßt sich dieses Buch nämlich nicht –

Ernst Herhaus/Jörg Schröder: „Siegfried“; März Verlag, Frankfurt; 371 S., 25,– DM.

Auch gibt es diesen „Siegfried“ schon gar nicht mehr; über seine weitere Karriere werden Rechtsanwälte befinden und nicht Leser, Buchhändler, Kritiker. Dem Buchhandel war ein Roman von Ernst Herhaus angesagt worden; was für ein Ding sie da ausbrüteten, wußten offenbar nicht einmal die Angestellten des März Verlags. Während der Buchmesse wurden in aller Stille zweitausendfünfhundert Exemplare, die Hälfte der Auflage, ausgeliefert, ohne Klappentext, ohne ein Wort der Erklärung, im Vertrauen darauf, daß die Bombe auch so hochgehen würde. Ein paar Tage später waren prompt die ersten einstweiligen Verfügungen beantragt, eine vom Melzer Verlag, eine von einem „Spiegel“-Redakteur; die Verfasser deuten an, daß sie mit zwanzig Prozessen rechnen – das ist wohl übertrieben, aber daß sie sich alle Mühe gegeben haben, einen Rekord von einstweiligen Verfügungen auf sich zu versammeln, von Bardamen bis zur Deutschen Bank, kann man ihnen nicht abstreiten.

Doch zunächst muß ich wohl auf den Einwand eingehen, ich dürfte mich zu diesem Buch überhaupt nicht äußern, weil ich selber darin vorkomme und folglich voreingenommen bin.

Allerdings, da heißt es einmal, Leute wie Karlheinz Bohrer von der FAZ und ich hätten irgendwann zu begreifen angefangen, daß sie in Sachen Pornographie Ignoranten seien. Das möchte ich sogar noch ausweiten: Schon vor diesem fraglichen Zeitpunkt habe ich mich nicht für einen Sachverständigen gehalten – es ist schließlich eine trostlose Materie; aber auch Ignoranten können Gründe für die Auffassung haben, daß sich die Justiz mit der Pornographie besser nicht zu schaffen macht. Ferner heißt es, ich hätte bei einer Pressekonferenz des März Verlags dagesessen und mit der Nase gezittert: Ich habe es nachzumachen versucht, unmöglich. Und bei besagter Pressekonferenz hätte ich nicht kapiert, warum Schröder soviel Blödsinn redete. Na, wer weiß?