DIE ZEIT

Mission in Moskau

Es ist gewiß nicht ideal, daß der Schlußstein der neuen Ostpolitik zu einer Zeit gesetzt werden muß, da hierzulande Wahlkampf herrscht.

Wahlkampf im Werk

An den Werktoren stehen die Stoppschilder für Demokratie. So wünschen es seit jeher jene Unternehmer, die sich mit Demokratie diesseits der Parlamentstribüne nur schwer anfreunden mögen.

Getarnte Kapitulation

Der größte Fehler der amerikanischen Vietnampolitik wäre eine getarnte Kapitulation – so sprach Henry Kissinger, ehe er als Präsidentenberater ins Weiße Haus einzog.

Draht nach Peking

Bundesaußenminister Scheel in Peking – die Vorstellung schien vor einem Jahr noch vermessen. Heute ist sie Wirklichkeit geworden.

Zeitspiegel

Der Hersteller eines Mittels für künstlichen Regen hat die Vereinigten Staaten verklagt, seine Erfindung unberechtigt und unter Verletzung des Patents in Indochina eingesetzt zu haben.

CDU-Parteitag in Wiesbaden: Vor lauter Details keine Linie

Erst am dritten und letzten Tag widerfuhr den Delegierten einige Seelenstärkung. Hatten sich die Christlichen Demokraten auf ihrem Wahlparteitag in Wiesbaden zuvor zwei Tage lang durch einen wahren Wust von Referaten quälen müssen, die mit wachsender Länge immer stärker knochentrockenen Fachvorträgen glichen, so zog nun Rainer Barzel endlich den Vorhang zum Schlußakt beiseite.

SPD- Parteitag in Dortmund: Eine Offensivwaffe

Für die SPD geht es diesmal nicht darum, die Führungsposition zu erringen, sondern darum, sie zu behaupten. Das ist schwer. Das Gespenst des Scheiterns lastet auf der Partei.

Ein Fall für den Staatsanwalt?

Horst Mahler schaut freundlich drein, als er die Szene im großen Saal des Moabiter Kriminalgerichts betritt. Sie ist ihm vertraut.

Labour: Streit um die EWG

Am Freitag voriger Woche ging, nach fünftägiger Dauer, der Labour-Parteitag in Blackpool zu Ende. Sein Vorsitzender Wedgwood Benn faßte das Ergebnis in die Worte: „Mehr Sozialismus, mehr Demokratie, mehr Parteieinheit.

Skandinavien: Zwei Wechsel

Wie vorher angekündigt, trat am Wochenende Norwegens Ministerpräsident Trygve Bratteli, Chef eines sozialdemokratischen Minderheitskabinetts, von seinem Amt zurück, weil die Volksabstimmung über den EWG-Beitritt ein klares „Nein“ erbracht hatte.

Gierek in Frankreich: Nicht ganz zufrieden

„Positiv, aber nicht völlig befriedigend“, nannte Polens Parteichef das Ergebnis seines fünftägigen Frankreichbesuches. Auf dem für Warschau wichtigsten Sektor, den Wirtschafts- und Handelsbeziehungen, blieben die Abmachungen hinter den Erwartungen zurück.

Dokumente der Zeit

„Es ist völlig verständlich, daß die Völker der europäischen Länder nach zwei Weltkriegen an Frieden und Sicherheit in Europa, interessiert sind.

USA – Europa: Neue Initiative

Washington hat nach einem Jahr intensiver „Gipfel-Ostpolitik“ eine neue Europa-Initiative angedeutet. Der neue Leiter der Europa-Abteilung im Außenministerium, Walter Stoessel, ließ am Donnerstag voriger Woche durchblicken, daß Präsident Nixon nach seiner Wiederwahl möglichst bald ein Gipfeltreffen der NATO-Staatschefs anstrebe.

Aktuelle Krisenherde

Die Ausweisung arabischer Studenten (am Wochenende wurde von 110 Fällen gesprochen) und das Verbot der beiden Palästinenser-Organisationen GUPS und GUPA hat auch in der vergangenen Woche das deutsch-arabische Verhältnis schwer belastet.

Wahlkampf unter schlechten Vorzeichen

Der Wahlkampf – in der vorigen Woche auf vollen Touren angelaufen – begann mit einem schlechten Vorzeichen. CDU und SPD verweigerten die Unterschrift zum Wahlkampfabkommen – nur die FDP unterzeichnete – und verbanden damit den wechselseitigen Vorwurf der Unglaubwürdigkeit (erklärten aber, sich an die abgesprochenen Vereinbarungen halten zu wollen).

Er war ein Gegner, nicht ein Feind

Karl Theodor Freiherr von und zu Guttenberg war innerhalb der Bandbreite der Politik unseres Landes ein Konservativer.......

Argentinische Wirren: Kehrt Perón zur Macht zurück?

Schach läßt sich offenbar nicht nur mit Figuren aus mehr oder minder wertvollem Material spielen. Schach kann man, wie Argentinien in der vergangenen Woche bewies, auch mit einem ganzen Staat spielen – bis hin zu den Entschluß, die auf ein Remis zusteuernde Partie abzubrechen, die Figuren neu aufzustellen und ein neues Spiel zu beginnen.

China in den UN: „Verzicht auf Gewalt - wie schäbig“

Wer zufällig beobachtete, mit welcher Emphase und Warmherzigkeit Tschiao Kuan-hua, der stellvertretende Außenminister Chinas, dem blaulivrierten UN-Angestellten, der die Autos vor dem Delegierteneingang hin und her dirigierte, die Hand schüttelte, kann sich kaum vorstellen, daß dieser laut und fröhlich lachende Herr am Tag zuvor eine Rede gehalten hatte, deren schneidende Schärfe allen Anwesenden – vornehmlich den Sowjets – nachhaltig in die Knochen gefahren ist.

Amerikas Fuß in Europa

Die Amerikaner haben sich lange gegen den von der Sowjetunion inspirierten Plan gewehrt, eine Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) einzuberufen.

Gefangenen-Amnestie in der DDR: Gnade am Jahrestag

Wenn Ost-Berlins Behörden ernst machen mit der vom Staatsrat zum 23. Jahrestag der DDR verkündeten Amnestie, dann gehen Vollzugsbeamte und Aufsichtspersonal in den meist überfüllten Gefängnissen ruhigen Zeiten entgegen.

Labour-Partei: Wilsons Tricks

Was Premierminister Heath beim Parteitag der Konservativen in Blackpool besorgter machen wird als alle sonstigen Schwierigkeiten, ist der Hauch von Erfolg, den Harold Wilson in der Vorwoche im selben Saal hinterlassen hat.

Todorov-Prozeß: „Der is a netter Kerl“

Dimitr Todorov hat seinen Prozeß in München beim dritten Anlauf nicht mehr platzen lassen. Nachdem er im April Blinddarmschmerzen simuliert und im September jede Aussage verweigert und damit seinen Anwalt zur Mandatsaufgabe veranlaßt hatte, war er nun bereit zu sprechen.

Strahlentod in Hamburg: Unfall vertuscht

Fast anderthalb Jahre schwieg die Hamburger Gesundheitsbehörde, schwiegen der Senat der Freien und Hansestadt und dann auch der Bürgerausschuß, die Gesundheitsdeputation und der Gesundheitsausschuß, schwieg schließlich die Hamburger Lokalpresse.

BGS in Karlsruhe: Näher am Staat

Unter den Reifen eines Dienstwagens zerknirschte 1952 die selbstgebastelte Bombe, die ein enttäuschter Beschwerdeführer in die Hofeinfahrt des Bundesverfassungsgerichts geworfen hatte.

Lokalzeit: Vom Kaiser zum Kanzler

Diesmal blieb der Sturm aus. Vielleicht war es klüger eingefädelt, vielleicht aber auch fühlen sich die Berliner trotz einstiger Schmelztiegel-Mentalität nicht mehr in ihrem Traditionsgefühl attakiert.

Dürener Modell: Fenster vermauert

In der Kirche kommt der Schnaps hoch“, signalisierten Aufseher dem Chef. Regierungsdirektor Braun, oberster Sicherheitsverantwortlicher der nur noch mit achtzehn persönlichkeitsgestörten Tätern belegten sozialtherapeutischen Anstalt des nordrhein-westfälischen Strafvollzugs in Düren, handelte – wohl wissend, daß er sich wieder einmal frontal mit den Therapeuten, insonderheit mit dem ärztlichen Chef Dr.

Gewerbesteuererhöhung: Politik mit Punkten

Auf der Wiesen is ozabft und geht es rund, aber im Schdatrat auch“, faßte Max Filser, leserbriefschreibendes Original des Münchner Stadtanzeigers seine Eindrücke vom neuesten Knatsch in der weiß-blauen Metropole Bayerns zusammen.

Gunther und Andy

Where is my tash?“ fragte eine Dame. Der Begleiter griff suchend unters Sofa und überreichte ihr, nun ja, ihre Tasche. Man kam sich an diesem Abend schon etwas verloren vor mit seinen paar einheimischen Sprachbrocken, denn auch der Gastgeber, Gunther Sachs, hatte plötzlich, zu einer knappen Begrüßungsrede in Englisch ausgeholt: „Ladies and gentlemen, I am most honoured to welcome you here and also Andy Warhol whom I consider to be the greatest artist of our time.

Mafia, Markt und Messe

Klaus Staeck, engagierter Grafiker und Rechtsanwalt, der gerade seinen Prozeß wegen seiner CDU-Plakate verloren hat, weil sie arglose Gemüter für offizielle Wahlplakate der CDU hätten halten können, hat den Kölner Progressiven eine Photomontage gewidmet „Zur Erinnerung an die Jahreshauptversammlung des Vereins progressiver deutscher Kunsthändler e.

Zeitmosaik

Eine internationale Forschungsstätte, die Wissenschaftlern aus Ost und West die Möglichkeit geben soll, „relativ frei von nationalen Beschränkungen in direktem Kontakt miteinander zu arbeiten, um die schwierigsten Weltprobleme verstehen und lösen zu lernen“, wird im Schloß Laxenburg bei Wien entstehen.

Büchner-Preise: Keinerlei Provokation

Der Senioren-Club, der die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung immer mehr wird, tagte am letzten Wochenende in Darmstadt, und dieses Mal war es eine ganz und gar unangefochtene und unverstörte Veranstaltung: Nicht ohne Grund begann die „Süddeutsche Zeitung“ ihren Bericht mit reiner journalistischer Herbstpoesie.

Argumente für und gegen: Literaturkritik

Ein ziemlich irrationaler Gegenstand versuchsweise rationaler Überlegungen sei definiert als jene Art von "Buchbesprechung" oder "Rezension", wie sie die Feuilletons der Zeitungen und Zeitschriften und die Kultursendungen des Rundfunks füllt.

Bildungsmilliarden: Glasperlenspiel

Der Beitrag der Bildungspolitiker zum Wahlkampf ist schwächlich. Seit vier Wochen erschöpft er sich in dem müden Gezänk um die Bildungsmilliarden, die der Finanzplanungsrat von 58 auf 53 Milliarden für das Jahr 1975 zusammengestrichen hat.

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