Damiano Damianis Konfessionen

Von Hans C. Blumenberg

Die Pariser Zeitschrift „Cinéma 72“ nennt sie nicht ohne einen Beigeschmack neidischer Bewunderung „les confessions italiennes jene inzwischen fast zu einem eigenständischen Genre gewordenen transalpinen Polit-Thriller, die im europäischen Film ohne Beispiel sind.

Italienische Konfessionen: das Etikett bezieht sich auf den Titel von Damiano Damianis 1971 gedrehten Film, der in der Bundesrepublik jetzt ebenso reißerisch wie irreführend als „Der Clan, der seine Feinde lebendig einmauert“ in die Kinos kommt. Im Original heißt er „Confessione di un Commissario di Polizia al Procuratore della Republica (Das Geständnis eines Polizeikommissars gegenüber dem Staatsanwalt).

Der umständliche Titel erinnert nicht von ungefähr an Elio Petris immens erfolgreiche „Ermittlungen gegen einen über jeden Verdacht erhabenen Bürger“, deren sensationelle Einspielergebnisse die Welle der italienischen Konfessionen vor drei Jahren erst so richtig ins Rollen gebracht haben. Inzwischen scheint der juristische Jargon bereits das Markenzeichen der Gattung geworden zu sein: Ein neuer Film von Mauro Bolognini heißt „Imputazione di omicidio per uno studente“, Dino Risi drehte „In nome di popula italiano“, und selbst ein simpler Dutzendkrimi von Tonino Ricci nennt sich stolz „Un omicidio perfetto a termine di legge“.

Die Tradition des aktuell gesellschaftsbezogenen Schlagzeilen-Kinos reicht in Italien bis in die ersten Nachkriegsjahre zurück. Sie schließt die frühen Filme von Rosselini, Germi und de Sica ebenso ein wie Francesco Rosis „Salvatore Giuliano“ (1961) und „Hände über der Stadt“ (1962). Und während es in der Bundesrepublik allenfalls so halbherzig vorsichtige Gegenwartsfilme gab wie Staudtes „Rosen für den Staatsanwalt“, Thieles „Das Mädchen Rosemarie“, Hoffmanns „Wir Wunderkinder“ und Käutners „Schwarzer Kies“, zeichneten sich die italienischen Beispiele schon immer jenseits pluralistischer Mutlosigkeit durch ihre moralische und politische Rigorosität aus.

Listig und spekulativ