Der erste farbige Divisionskommandeur der US-Streitkräfte kämpft für die Gleichberechtigung der Schwarzen

Von Wolfgang Borgmann

Bad Kreuznach

Hausneger, das waren zur Zeit der Sklaverei jene Schwarzen, die sich durch Wohlverhalten gegenüber ihren weißen Herren auszeichneten und dafür, statt schwer auf dem Felde arbeiten zu müssen, mit leichten Arbeiten im Hause belohnt wurden. Der Begriff Hausneger hat sich bis heute im amerikanischen Sprachgebrauch gehalten. Aber ist Generalmajor Frederic Ellis Davison, der erste farbige Divisionskommandeur in der Geschichte der US-Streitkräfte, ein "Hausneger", der für die Weißen nur eine Alibifunktion erfüllt? Oder bedeutet seine kürzlich erfolgte Ernennung tatsächlich einen entscheidenden Schritt vorwärts auf der langen Straße zur Gleichberechtigung der Schwarzen Amerikas?

Davisons Urgroßvater war noch Sklave. Sein Großvater, inzwischen vom Sklavenjoch befreit, diente dem amerikanischen Staat als Regierungsangestellter. Sein Vater arbeitete ebenfalls in Washington als Beamter. Frederic Ellis, jetzt 55 Jahre alt, hat es am weitesten in der Familie gebracht. Er ist der ranghöchste schwarze Armeeoffizier und befehligt als Chef der achten Infanteriedivision in Bad Kreuznach fünfzehntausend Soldaten. Schwarze wie Weiße.

In starkem Kontrast zu den "auf schneidig" geschnittenen offiziellen Präsentierphotos, die im Hauptquartier der Division hängen und die Soldaten mit ihrem neuen Kommandeur vertraut machen sollen, wirkt Davison auf seinen Besucher eher wie ein freundlicher, hilfsbereiter Nachbar. Bei der Arbeit trägt er eine Brille. Seine ordensbesetzte Uniformjacke, die unter anderem mit Auszeichnungen für Kampfeinsätze als Kompaniechef im Zweiten Weltkrieg und als Brigadekommandeur in Vietnam geschmückt ist, hat er abgelegt. Das Aufstehen macht ihm Mühe: Bei einem Fallschirm-Trainingssprung hat er sich beide Achillessehnen angerissen. Nein, wie ein "richtiger" General, der zu befehlen gewöhnt ist, sieht der klein wirkende Mann mit der sanften Stimme nicht aus.

Tatsächlich glaubt General Davison an die Kraft der Uberzeugung durch das eigene gute Beispiel. "Wenn einem die Leute nicht abnehmen, was man sagt, ist man erledigt." Für ihn ist menschliches Fehlverhalten das Ergebnis unzureichender Lebensbedingungen und schlichter Unwissenheit. Folgerichtig geht Davison davon aus, daß durch verbesserte Startchancen und verstärkte Erziehung das Verhalten des Menschen positiv zu beeinflussen ist. Er will aus Rassenangehörigen selbstbewußte Individuen machen, die einander nicht mehr feindlich gegenüberstehen. Die Verwirklichung des Gleichheitsgrundsatzes ist für Davison Vorbedingung für die Einleitung eines solchen Prozesses. "Kein Soldat hat Anspruch darauf, daß ihm etwas geschenkt wird. Aber jeder hat ein Anrecht auf eine echte Chance, die keinem, welche Hautfarbe er immer hat, verweigert werden darf", sagt Frederic E. Davison.