Nicht ohne Grund wird in den meisten Berufen Weiterbildung groß geschrieben; denn berufliche Kenntnisse veralten oft sehr schnell. Um den Entschluß zu erleichtern, am Wochenende und nach Feierabend kostbare Freizeit für den Beruf zu opfern, versucht man neuerdings, bessere Anreize zu schaffen. Das geschieht zum Beispiel dadurch, daß man die Mühen durch neue Berufsbezeichnungen belohnt. Eines der jüngsten Beispiele: Die Industrie- und Handelskammern versuchen, mit Hilfe des Titels "Fachwirt" bei Angestellten mit kaufmännischer Ausbildung das Interesse an der Weiterbildung zu wecken.

Fachwirt kann jeder werden, der die Kaufmannsgehilfenprüfung absolviert hat. Denn darauf baut der Unterricht auf, der auf die Prüfung für Fachwirte vorbereitet. 200 bis 300 Stunden Zusatzausbildung werden verlangt, bis sich jemand zur Prüfung melden kann. Vor allem den einschlägigen Fern- und Abendkursen wird damit ein konkretes Ausbildungsziel und ein offizieller Abschluß gegeben.

Die Intention der Industrie- und Handelskammern: Wer die Prüfung besteht, kann sich mit der neuen Berufsbezeichnung als Fachmann ausweisen. Geichzeitig soll der Entschluß erleichtert werden, die nächste Weiterbildungsetappe in Angriff zu nehmen. Der Abschluß wäre dann der praktische Betriebswirt.

Drei spezielle Richtungen haben sich bereits durchgesetzt: der Versicherungsfachwirt, der Handelsfachwirt und der Bankfachwirt. Mit dem Industriefachwirt sammeln einige Kammern zur Zeit erste Erfahrungen.

Die Kammern, von denen die Initiative ausging, haben mittlerweile auch verbindliche Prüfungsordnungen verabschiedet, um eine einheitliche Regelung für das ganze Bundesgebiet zu garantieren. Zusätzlich wurden die Prüfungsordnungen von der jeweiligen Länderregierung genehmigt.

Bisher gibt es erst wenige Aufstiegswillige, die den Titel eines Fachwirts tragen. Doch das Interesse an der neuen Ausbildungsstufe hat in den letzten Monaten schnell zugenommen. Die Qualifikation, die mit dem neuen Titel nachgewiesen wird, soll etwa dem Meister im Handwerk entsprechen. Um niemandem den Weg nach oben zu verbauen, können auch Bewerber zugelassen werden, die den Kaufmannsgehilfenbrief nicht besitzen. Eine zweijährige Berufspraxis ist jedoch unerläßlich.

Die Kenntnisse, die für die Prüfung verlangt werden, sind ganz beträchtlich. Sie orientieren sich an dem Wissen, das man für eine mittlere Führungsposition mitbringen muß. Theoretische Kenntnisse sind dabei nicht sehr gefragt, denn der Fachwirt ist ein typischer Branchenspezialist.