In der Nordseestadt Emden sucht der viertgrößte Mineralölkonzern der Welt einen Freier für seine ungeliebte Tochter: Die Erdölwerke Frisia AG, seit gut zwei Jahren im Besitz der amerikanischen Gulf Oil, braucht einen neuen Partner. Ihre Mitgift: eine Raffinerie mit einer Kapazität von 2,5 Millionen Tonnen pro Jahr und ein Netz von annähernd 800 Tankstellen.

Die Frisia hat eine glücklose Geschichte hinter sich. Der Schweizer Verbraucherfreund Gottlieb „Dutti“ Duttweiler, Präsident des Migros-Genossenschaftsbundes, wollte 1958 mit Hilfe der Frisia den Ölkonzernen. den Preiskrieg ansagen und den Kraftfahrern billiges Benzin liefern. Doch die Emdener Raffinerie, finanziert durch breit gestreute Aktien, brachte dem Billigpreis-Apostel und den Aktionären kein Glück.

Im Ölgeschäft unerfahren, unterliefen Duttweiler schwere Fehler. 1965 mußten die staatlichen Saarbergwerke als Retter in höchster Not die Mehrheit der Frisia-Aktien übernehmen. Das Saarbrücker Energieunternehmen investierte zunächst Riesensummen und tilgte Verluste. Doch das Jahr 1969 brachte erneut rote Zahlen. Schließlich wurde die Frisia AG erneut zum Verkauf angeboten. Die Gulf Oil Corporation bot am meisten und wurde im Februar 1970 neuer Herr über die ostfriesische Raffinerie.

Auch die Rechnung der Gulf-Strategen ging nicht auf: Während die Rohölpreise stiegen, schrumpften die Erlöse für Raffinerieprodukte. Jetzt ordneten die Gulf-Manager in Pittsburgh den erneuten Verkauf an. Interessenten sind allerdings noch nicht in Sicht. smi