Wirtschaft

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DIE ZEIT

Bremser rechts, Bremser links

Zu den infamsten, gleichwohl wirksamsten Waffen in diesem Wahlkampf zählt die Unterstellung, daß die Sozialdemokratie dem Kommunismus die Bahn ebne, ihm Tür und Tor öffne.

Am 19. November: Ende oder Wende?

Es gibt nur eine Gewißheit bei dieser Wahl, deren Ausgang so ungewiß ist wie nie zuvor: Wenn am Abend des 19. November das endgültige Ergebnis feststeht, braucht niemand seine Nacht schlaflos zu verbringen.

Schiller-Preis

Je mehr es im Wahlkampf an Substanz mangelt, um so üppiger wuchern die Gerüchte. Für einige Stunden stand sogar der Präsident der Bundesbank im Mittelpunkt von Spekulationen.

Kein Nein

Daß Klaus Schütz, Regierender Bürgermeister von Berlin, im Frühjahr nach Moskau fährt, ist für sich noch nicht besonders bemerkenswert.

Nach dem Sturm

Die Eiferer in Israel wie bei uns haben nun doch nicht das letzte Wort behalten. Jene Israelis nicht – ob in den Parteien oder in den Redaktionen –, die den Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit Bonn forderten; und auch jene CDU-Wahlhelfer nicht, die in schnöden Anzeigen die Bundesregierung in den üblen Geruch bringen wollen, sie tue nichts für die Sicherheit „unserer jüdischen Mitbürger“.

Am Ende der 6. Legislaturperiode: Ein Denkmal geht in den Ruhestand

Der Abschied Carlo Schmids vom Parlament vollzieht sich in Raten. Als wollte er vermeiden, daß Wehmut ihn anfällt, läßt er sich vom Wahlkampf durch die Bundesrepublik Deutschland treiben, von Heidenheim nach Kiel, von West nach Ost, und kann der Begegnung mit seiner Erinnerung nirgends ausweichen.

Zeitspiegel

Zwei Jahre lang hatte sich die Autobahn-Verwaltung des US-Staates Colorado geweigert, Miss Janet Bonnema als Technikerin beim Bau eines Tunnels durch die Rocky Mountains zu beschäftigen, obgleich die Dame einen rechtsgültigen Anstellungsvertrag besaß.

Worte der Woche

„Wir haben die SPD niemals als eine Kraft betrachtet, die bestrebt ist, der sozialen Revolution die Tür zu öffnen. Unser Streben nach Herstellung normaler, ja gutnachbarlicher Beziehungen zur BRD bedeutet also keinesfalls, einem Mischmasch zwischen Sozialismus und Kapitalismus das Wort zu reden.

Am Sonntag geht es nicht nur um Programme – sondern vor allem um zwei Männer: den Kanzler und den Kanzler-Kandidaten: Brandt: Locker in die letzte Runde

Fast jeder Auftritt des Bundeskanzlers im Wahlkampf beginnt mit der Erfurter Geste. Wie Kanzler Brandt damals vom Fenster des „Erfurter Hofs“ die Menschen, die von gesamtdeutscher Begeisterung hingerissen die Grenzen der Polizei-Absperrung und der politischen Vernunft zu durchbrechen drohten, mit einer dämpfenden Bewegung beider Hände beruhigte, so stimmt jetzt der Wahlkämpfer Brandt den Jubel seiner Anhänger herunter.

Barzel: Gesammelt zum Sprung

Keine Versammlung, in der Rainer Barzel nicht versichert hätte, daß man es gemeinsam schaffen werde: Mann für Mann und Frau für Frau, Stimme für Stimme beim Wahlgang am Sonntag.

Wahlkampf in Bayern: Unruhe auf dem Lande

Bayern verändert sich. Im weißblauen Freistaat, in dem so deftige Eigenschaften wie grüabig, bauernschlau und zünftig zum Charakterbild eines gestandenen Politikers gehören, wachsen die Sympathien merklich zu Gunsten der sozial-liberalen Koalition.

Wahlkampf im Ruhrgebiet: Stimmung für Brandt

Die Wahlplakate haben das Ruhrgebiet nicht schöner gemacht. Von Wind und Wetter zerzaust, vielfach auch mit Parolen beschmiert, blicken die Großen der Politik in eine Stadtlandschaft, über die der November seinen Grauschleier gelegt hat.

Der zweite Wohnsitz: Wähler zur Untermiete

Schlitzohrige Westberliner haben vor dieser Bundestagswahl anscheinend erstmals in größerer Zahl die Chance wahrgenommen, ihren Status wahlbürgerlicher Entmündigung etwas außerhalb der Legalität aufzubessern: Weil sie als Berliner – wegen alliierter Vorbehalte – den Bundestag nicht mitwählen dürfen, tun sie es kurzerhand in ihrer frisch erworbenen Eigenschaft als „Zweitbürger“ der Bundesrepublik.

Umsiedler aus der Sowjetunion: „Wir sind doch jetzt daheim“

Tagelang waren sie unterwegs gewesen, manche seit fast zwei Wochen: Deutsche aus Rußland. Sie hatten in Wartesälen und auf Flughäfen kampiert, um eine Fahrkarte zu ergattern, hatten Stunde um Stunde in den Korridoren der Züge gestanden, hatten warten müssen, immer wieder warten müssen.

Wenn der Vertrag scheitert

Paraphierung bedeutet, daß sich die Unterhändler auf einen gemeinsamen Entwurf geeinigt haben. Der Grundvertrag bedarf noch der Unterzeichnung und der Ratifizierung.

Vietnam: Hanoi lenkt ein

Die Vietnam-Friedensgespräche sind wieder in Gang gekommen, nachdem sich Nordvietnam am Dienstag offiziell bereit erklärt hat, in neue Geheimverhandlungen mit den Vereinigten Staaten einzutreten.

Positives Echo auf Nixons Wiederwahl

Die Wiederwahl Präsident Nixons ist in allen Staaten der Welt begrüßt worden. In vielen Glückwünschen wurde zugleich die Hoffnung ausgedrückt, daß der „eindrucksvolle Erfolg“ den Präsidenten in seinen Bemühungen um einen Frieden in Vietnam bestätige und ansporne.

Aktuelle Krisenherde

Das Klima der Beziehungen zwischen Israel und der Bundesrepublik, das nach der erzwungenen Freilassung der drei Mörder von München fast auf den Nullpunkt abgesunken war, hat sich wieder gebessert.

Dokumente der Zeit:

„Nimmt man die zahlreichen, zu nichts verpflichtenden, aber wohltönenden Worte über die ‚Durchsetzung, Sicherung und Fortentwicklung der rechtsstaatlichen Demokratie‘, über die Erweiterung der Freiheitsrechte und Entfaltungsmöglichkeiten aller arbeitenden Menschen‘ sowie über die ‚Förderung der sozialen Gerechtigkeit‘ zusammen, dann bleibt der demokratische Sozialismus’ nichts anderes als ein Konzept, mit dem die kapitalistische Ausbeuterordnung scheinbar demokratisiert werden soll.

Hat die Opposition resigniert?

Anfang Januar dieses Jahres stand der 29jährige Schriftsteller Wladimir Bukovskij, der bereits sechs Jahre seines Lebens in sowjetischen Straflagern und den berüchtigten „psychiatrischen Heilanstalten“ verbracht hatte, wieder vor den Schranken eines Moskauer Strafgerichts.

PSl-Kongreß in Genna: Sozialisten mit Januskopf

Rote Nelkensträuße, Umarmungen, Beifallsstürme unter Zorn und Tränen – so verabschiedete der Kongreß der Sozialistischen Partei Italiens (PSI) in Genua seinen – mit immerhin noch 42 Prozent der Stimmen – gescheiterten Parteisekretär, den 56jährigen Kalabresen Giacomo Mancini.

Amerika nach, der Wahl: Nixon als Sonnenkönig?

Unmittelbar vor dem Wahltag gab Richard Nixon im Vorgefühl seines Sieges dem Korrespondenten der Washingtoner Abendzeitung Star-News einen breitflächigen Überblick über die in den kommenden vier Jahren zu erwartenden außenpolitischen Unternehmungen des Weißen Hauses.

Friedensaussichten in Hanoi:: Neues Blutbad?

Der Korrespondent der unabhängigen kanadischen Fernsehgesellschaft CTV sprach bei einem Besuch in Hanoi mit führenden Politikern Nordvietnams und der südvietnamesischen Befreiungsfront über die Friedensaussichten.

Wolf gang Ebert: Der neue Mann

20. November 1972. Die Entscheidung ist gefallen. Die Firma hat den heißbegehrten Auftrag nach hartem Kampf bekommen. In ihren Büros umringen alle jubelnd den Chef.

Wahlkampf in der Provinz: Lumpi nach Bonn

Die drei vierbeinigen Herren hatten es gemütlich: „Seit vielen Jahren saßen sie im südoldenburgischen Raum auf einem altmodischen schwarzen Sofa und frönten der Beschaulichkeit.

Trick mit Buchanzeige: Pfaffs falscher Busen

Auf den ersten Blick schien es eine fast normale Verlagsanzeige zu sein, mit der für ein neues Buch geworben werden sollte: Der lächelnde Autor groß im Bild, dazu der Buchtitel: Wolfgang Pfaff – „Große Macht mit kleinem Busen“, ein „satirischer Roman“, 222 Seiten, Leinen, 16,80 DM, erschienen im Verlag R.

Lokalzeit: Grün garniert

Prächtig steht es da, das neue Heidenheimer Rathaus – Zentrum der Verwaltung, Zentrum der Schulstadt Ostwürttembergs und hoffentlich auch bald: Zentrum des Bürgersinns.

Ordnungsruf für Ordensmann: Kummer mit dem Kolar

Einem konzentrierten amtskatholischen Trommelfeuer sieht sich der Dortmunder „Oratorianer“ Heinz H. Hücking ausgesetzt, weil der SPD-Trommler Günter Grass in der Arnsberger Schützenhalle Schützenhilfe leistete und eine Lanze für Willy Brandt brach.

Patienten-Kollektiv Heidelberg: „Diese schreckensvolle Zeit“

Aus der Untersuchungshaft vorgeführt wird der Heidelberger Arzt Dr. Wolfgang Huber, Initiator des „Sozialistischen Patienten-Kollektivs“, von dem die Anklage meint, es sei eine kriminelle Vereinigung – jedenfalls in seinem Kern – und habe mit einer anderen kriminellen Vereinigung, der Baader-Meinhof-Gruppe, zusammengearbeitet.

Laxe Umweltschützer: Politischer Kraftakt mit dem Kraftwerk

Friedrich Schillers Geburtsstadt, das kleine Marbach am Neckar, ist zum Schauplatz einer modernen Tragikomödie geworden. In diesen Tagen, das sich die baden-württembergischen Landtagsabgeordneten darüber gestritten haben, ob sie in ihrer Landesverfassung das Recht auf eine lebenswerte Umwelt verankern sollten, hat der Verwaltungsgerichtshof in Mannheim entschieden, daß in Marbach das 300 000-kW-Kraftwerk weitergebaut werden dürfe.

Fall Denzer: Ärger mit einem Deutschaufsatz

Schleswig-Holstein hinkt durchaus nicht, wie Spötter vielfach behaupten, mit allem etwas hinterher. Wie kein anderes Bundesland ist man nördlich der Elbe darauf bedacht, den sogenannten Extremistenerlaß der Ministerpräsidenten und des Bundeskanzlers zu befolgen oder zu strapazieren, wie die SPD-Opposition meint.

Tatwaffe: Spargelspitzen: Geld aus der Büchse

Am 5. August 1969 öffnete der Zigarrenvertreter Kurt Treutlein in der Küche seiner Wiesbadener Wohnung am frühen Nachmittag eine Büchse Spargel, schüttelt den Inhalt in einen Topf, rührte eine Art holländische Sauce dazu an und fütterte anschließend mit der fertigen Mahlzeit seine bettlägerige, von permanentem Schlafmittelmißbrauch völlig entkräftete Ehefrau.

Was die Kultur wählt

Mehr als je zuvor haben sich in diesem Wahlkampf Privatpersonen für die einzelnen Parteien engagiert. Bei Wählerinitiativen, Unterschriftenaktionen, Anzeigenkampagnen oder bei der aktiven Mitwirkung an Wahlveranstaltungen warfen sie ihre prominenten Namen, ihren Status, seltener auch ihre eigenwilligen Argumente in die Waagschale der erwählten Partei.

Mit Klaus von Dohnanyi im Wahlkampf: Entnervt von der Basis

Die Lachenmühle in Oberlustadt findet er in schwachen Minuten das beste an seinem Wahlkreis. Ihm gehört ein Flügel des Gehöfts, und hierher zieht er sich zur mitternächtlichen Meditation über die Vergeblichkeit allen Bemühens zurück, wenn er wieder einmal einen Kampftag mit der obligaten abendlichen Kneipentour hinter sich gebracht hat.

Zeitmosaik

Jahrelang hat die Prager Husak-Führung ihre eigenen und die Reihen aller Berufsschichten säubern, säubern und säubern lassen.

Argumente für und gegen: Wahlkampf

Hinter uns liegen lautstarke, bilderreiche Wochen. Optimisten registrierten verstärktes politisches Interesse. Pessimisten bemerkten vor allem eine Inflation von Beschimpfungen, Unterstellungen, Verleumdungen.

Bildungspolitik in Schleswig-Holstein: Die Not im Norden

Helmut. Lemke, der Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, kündigte „eine neue Ära“ an. Denn der Regierungschef hatte drei neue Männer in sein Kabinett berufen, unter ihnen als Kultusminister Walter Braun, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Kieler Universität.

Kunstkalender

Vier Jahre nach ihrem Debüt in der Kunsthalle Recklinghausen und nachdem sie seither in der Bundesrepublik und im Ausland viele und erfolgreiche Auftritte hatte, ist die Gruppe Zebra jetzt endlich auch nach Hamburg, ihrer Geburts- und Gründungsstadt, gekommen – allerdings durch die Hintertür, die ihr der Deutsche Ring geöffnet hat.

Schallplatten

Ein Unfall hat Monique de la Bruchollerie, eines der pianistischen Idole der Nachkriegszeit, seit langem unfähig gemacht, Klavier zu spielen.

Hamburg eröffnet ein neues Theater: Thalias tik

Die Knöpfe, die man bei der Premierenfeier des Thalia-Theaters trug, hatten ausnahmsweise nicht die Aufschrift „Willy wählen“, sondern warben weiß auf schwarzem Grund für „tik“.

Film: Peking-Opern: Revolution auf Spitze

Manche Bilder sind zum Augenreiben: eine Handgranate in der geballten Faust, die Arme in klassischer Ballettpose hoch über den Kopf geschwungen, auf Spitze, tanzen die jungen Rotgardisten-Mädchen in Reih und Glied.

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