Politik

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DIE ZEIT

Auftakt in Helsinki

Um die Antriebsachse des sowjetisch-amerikanischen Globaldialogs beginnt sich in Europa ein gewaltiges, ineinandergreifendes Räderwerk internationaler Konferenzen zu drehen.

Fremde Gelder

Es ist längst kein Geheimnis mehr, daß die Bundesrepublik für die Freilassung von Häftlingen aus der DDR und die Familienzusammenführung Geld bezahlt.

Nun aber: Mehrheit verpflichtet

Die Bürger haben sich freigewählt von den Übertreibungen, Verzerrungen und Hirngespinsten der Propaganda, in der sie weder sich selbst noch die Wirklichkeit unseres Landes wiederzuerkennen vermochten; freigewählt von der Angst, der Staat des Grundgesetzes könne in der Sackgasse des parlamentarischen Patts steckenbleiben; und freigewählt von dem Alptraum, eine Abkehr von der besonnenen Entspannungspolitik des Kabinetts Brandt/Scheel oder auch nur deren halbherzige Fortsetzung durch eine CDU/CSU-Regierung werde die Bundesrepublik abermals in die außenpolitische Isolierung führen.

Einen Schritt weiter

Die DDR hat das erste Pflaster für ihr Anerkennungstrauma bekommen: Als 131. Staat wurde sie Mitglied in der Unesco, der UN-Unterorganisation für Erziehung, Wissenschaft und Kultur.

Schlußstrich

Nach einigem Zögern haben nun auch die Mitglieder der Berlin-Brandenburgischen Westsynode Vollzugsmeldung erstattet: Mit überwiegender Mehrheit stimmten sie einem eigenen Bischofsamtsgesetz zu.

Zeitspiegel

Durch die Niederlage in der Bundestagswahl hat die Union auch die Mehrheit in der Bundesversammlung verloren, die 1974 den neuen Bundespräsidenten wählt.

SPD/FDP-Regierung: Der Sieger: Wer wird was?

In Bonn geht es zu, als habe der 19. November gar nicht stattgefunden. Als sich die Kabinettsrunde am Dienstagvormittag zum ersten Male nach der Wahl versammelte, mußte man meinen, daß es sich um nichts anderes als um eine der allwöchentlichen Routinesitzungen handele.

Wolf gang Ebert: Der Welten Lohn

„,Bürgerinitiative für klare Entscheidungen’. Und sinnigerweise dasselbe Postfach für: ‚Wählerinitiative freiheitlich gesinnter Staatsbürger in der Vereinigung zur Förderung der politischen Willensbildung‘, der wir die famose Mahler-Brandtsohn Anzeige zu verdanken haben, die uns auch so geschadet hat.

Stimmen-Splitting: Ein Attentat aufs Wahlgesetz?

Einige Wochen vor der Wahl tauchte in Blättern von politischem Gewicht folgende Empfehlung auf: Man möge doch, um den Sieg der SPD/FDP-Koalition zu sichern, die Erststimme der SPD und die Zweitstimme der FDP geben.

Vatikan – Osteuropa: Messen für die Koalition

So seltsam es klingt: im päpstlichen Rom sind stille Messen gelesen worden für den Wahlsieg der Bonner Koalition. Nicht aus persönlicher Sympathie, sondern weil vatikanische Ostpolitik auf die Fortsetzung der Deutschen angewiesen ist.

Neue Abgrenzung der DDR: Sorgen der SED

SED-Chef Erich Honecker hat es einmal gesagt und seine Parteifreunde wiederholen es jetzt unermüdlich: Friedliche Koexistenz könne keinen „ideologischen Mischmasch“ zwischen den Gesellschaftssystemen in Ost und West bedeuten.

SPD-Erfolg in acht Ländern

Mit den Ausnahmen Bayern und Hessen hat die Union in allen Bundesländern Stimmen abgeben müssen. Sie kamen vor allem der SPD zugute.

Hoher Wahlsieg für die Koalition

Mit einem in dieser Höhe nicht erwarteten Stimmenvorsprung vor der CDU/CSU hat die sozialliberale Koalition am Sonntag die Bundestagswahlen gewonnen.

Argentinien: Peróns Ankunft

Nach 17 Jahren Exil ist der argentinische Ex-Präsident Juan Domingo Perón am Freitag vergangener Woche nach Buenos Aires zurückgekehrt.

Europa: Vor der KSZE

In Europa begannen in dieser Woche eine Reihe bilateraler und multilateraler Konferenzen. Am Dienstag wurde in Genf die zweite Runde der sowjetischamerikanischen Gespräche über eine Begrenzung der strategischen Rüstung (SALT II) eröffnet.

Grundvertrag: Nein der Union

Die Diskussion um die Deutschlandpolitik der Regierung ist zu Beginn der Woche wieder aufgenommen worden. Noch Mitte voriger Woche hatte Barzel der Regierung „doppeltes Spiel“ mit dem Grundvertrag vorgeworfen – die DDR hat bis jetzt nicht alle Begleitabmachungen veröffentlicht – und Nebenabreden vermutet.

Aktuelle Krisenherde

Seit Montag dieser Woche verhandeln bei Paris wieder Präsidentenberater Kissinger und das nordvietnamesische Politbüro-Mitglied Le Duc Tho.

Das war der Kalte Krieg

In Genf begann am Dienstag die zweite SALT-Runde, in Helsinki am Mittwoch das Vorbereitungsgespräch für die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE).

Washington – Havanna: Fidel Castro sucht Kontakte

Seit mehr als zehn Jahren liegen die Beziehungen zwischen Kuba und den Vereinigten Staaten auf Eis. Zehn Jahre nach dem Höhepunkt des Kalten Krieges, der Kuba-Krise, hat Präsident Nixon im Gegensatz zu seinen Kontakten mit anderen sozialistischen Staaten mit der benachbarten Zuckerinsel noch keine Gespräche aufgenommen.

Nahost-Regelung: Bringt Kissinger die Wende?

Kissinger in Kairo? Was heute noch ein Gerücht ist, könnte morgen schon eine Tatsache sein: Der Versuch des Vietnam-Vermittlers, nun auch in Nahost seine Fähigkeit zu erproben, im Auftrag seines Präsidenten für Ruhe und Sicherheit zu sorgen, wenn nicht gar für eine Ausweitung der nichtparaphierten Waffenstillstandsregelung zu einer Vorfriedensvereinbarung.

Nordirland: Heath half nicht

Die Lage in Nordirland ist dadurch nicht besser geworden, daß sich Premierminister Heath durch Augenschein davon überzeugt hat, wie schlecht sie ist.

EWG-Außenpolitik: Suche nach einer Linie

Auch die erweiterte Europäische Gemeinschaft wird keine Wunder vollbringen. Die Außenministerkonferenz der Neun in Den Haag hat diese Prognose zu Wochenbeginn bestätigt.

Lokalzeit: Rosa Schlips

Wehret den Anfängen, mögen sich Richter am Landgericht Verden an der Aller gesagt haben, als sie einen Rechtsanwalt als Prozeßbevollmächtigten einer Zivilsache zurückwiesen, weil er statt des vorgeschriebenen weißen Langbinders eine Krawatte mit blaßrosa Streifen unter der Robe getragen hatte.

5-Tage-Woche vor Gericht: Samstags doch?

Seit drei Jahren gehen Schüler in Hamburg nur fünfmal in der Woche zur Schule, am Sonnabend bleiben sie zu Hause. So ist es gegenwärtig an 452 Schulen in der Hansestadt, lediglich an sechs Schulen wird auch an sechs Wochentagen unterrichtet.

Antworten auf Fragen: Was kann der PEN?

Christiane fragte arglos „na, habt ihr schön gepennt?“ und bemerkte, daß der Penmann etwas gequält lachte. Sie konnte nicht wissen, daß der Scherz, den sie zumindest für originell halten durfte, fünfzig Jahre alt ist – genau so alt wie der internationale Club der Poets, Essayists und Novellists, wobei die einzelnen Literaturgattungen von der englischen Schriftstellerin Dawson-Scott etwas willkürlich ausgewählt und angeordnet wurden, damit das Ganze eine englische Feder (pen) ergibt.

PEN wie Pension?

Die Entscheidung der Schwedischen Akademie, Heinrich Böll mit dem Nobelpreis für Literatur auszuzeichnen, zeitigte in Wien einen unerwarteten Nebeneffekt.

Filmtips

„Ex und Hopp“ von Lothar Lambert und Wolfram Zobus. Die Geschichte zweier Ausgeflippter, die nach ihrer Flucht aus einer Nervenheilanstalt vergebens versuchen, Anschluß zu finden; im Verlaufe ihrer Irrfahrten durch den Berliner „Underground“ richten sie sich vollends zugrunde.

Kunstkalender

1969 hat Hajdu den Grand Prix National de Sculpture erhalten. Die Dortmunder Ausstellung, die erste in der Bundesrepublik seit zehn Jahren, bestätigt das Dilemma solcher Auszeichnungen.

Zeitmosaik

Die Sache heißt „edition atlas super 8“ und ist ab Anfang Dezember in Kaufhäusern, im Photohandel oder über die atlas Schmalfilm selber (41 Duisburg, Düsseldorfer Str.

Fernsehen: Eine Etüde

Seebäder im Winter und die elegische Tristesse der holländischen und belgischen Landschaft sind eine derzeit beliebte optische Folie für stimmungsvolle Fernsehspiele; Zadek hat sich als letzter ihrer bedient in dem Anti-Krimi „Van der Valk und das Mädchen“, und Moorse, traumhaft sicher eingespielt mit seinem Kameramann Gerard Vandenberg und seinem Komponisten David Llywellyn, machte sie zu einem schön-schaurigen Stück schwarzer Romantik.

Rühmkorf-Uraufführung in Dortmund: Orpheus im Überbau

An Erläuterungen des Autors hat es schon nicht gefehlt. Peter Rühmkorf hat gleich der Buchausgabe seines zweiten Stückes „Lombard gibt den Letzten“ (Wagenbach, Berlin 1972) ein Nachwort beigefügt, das den Kritikern die Rekapitulation ersparen (und die Interpretation vorschreiben?) soll.

Giorgio Strehler inszeniert Shakespeare in Mailand: Lear lernt leiden

Reiz und Problem des Shakespeareschen „Lear“ liegen in der vulkanischen Mischung aus sagennaher Schroffheit und Einfachheit und psychologischer Filigran-Differenzierung: ein König, der mit seinen zwei bösen und seiner einen guten Tochter mit der Gradlinigkeit von „Es-war-einmal“-Märchen eingeführt wird und im Verlauf der Tragödie der Wahrheit des Wahnsinns, den Spiegelungen zwischen fremdem und eigenem Leiden ausgesetzt wird, als Verstörter so unverstörte Gedanken über das Regieren gewinnt, daß Karl Kraus sie zum Motto seiner Rechts- und Zivilisationskritik „Sittlichkeit und Kriminalität“ wählen konnte – das ist eine ebenso beunruhigend kühne „Entwicklung“ des Dramas, wie es die Tatsache ist, daß aus der Bilderbuchintrige eines Bilderbuchschurken, des Bastards Edmund, die drängende Frage nach dem Umsichgreifen des Bösen wird.

Die neue Schallplatte

Manchmal machen Plattenfirmen in ihren Archiven doch noch große Entdeckungen. Dieses Quintett ist neben Brownville Station und Dave Edmunds einer der originellsten Erfinder des neoklassizistischen Rock ’n’ Roll.

Argumente für und gegen: Abendanzug

Ob wir es nun „große Toilette“, „Abendkleid“, „Smoking“ oder „dinner-jacket“ nennen: es geht um die Frage, was dafür, was dagegen spricht, sich zu festlichen Anlässen festlich, also eine Nummer besser als sonst, anzuziehen.

Die Organisatoren und die Emanzipation: Das Damen-Programm

Die Zahl der wissenschaftlichen Tagungen wächst. Diese Tatsache bringt es mit sich, daß eine wachsende Zahl von Ehefrauen und anderen (juristisch nicht so eindeutig zu definierenden) Begleiterinnen mit zu Tagungen angereist kommt.

Hamburger Kunstverein: Kabale und Kunst

Man soll vor einer Wahl nicht zu viel von einer Krise reden, damit kann man die Wahl oder das Gesicht leicht verlieren, selbst wenn es sich nur um die Wahl zum Vorstand eines Kunstvereins handelt.

Musik: „Raus aus dem Musentempel“: Aus Angst modern

Es ist so etwas wie eine Flucht nach vorn. Die deutschen Kulturorchester, das sind die rund einhundert von der öffentlichen Hand und den Rundfunkanstalten getragenen und subventionierten Sinfonie- und Opernorchester mit weit über 6000 Mitgliedern, haben beschlossen, nicht länger die Arrieregarde des Musikbetriebes zu bleiben.

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