Vergangene Woche saßen sich der Kartellsenat des Berliner Kammergerichtes und die leitenden Herren der DLW AG und der Rheinischen Linoleum-Werke Bedburg GmbH (RLB) gegenüber. Das Bundeskartellamt hatte gegen die beiden Linoleumhersteller insgesamt 5,6 Millionen Mark Bußgeld verhängt.

Aus dem vom Kartellamt beschlagnahmten und in der Kammergerichtsverhandlung verlesenen Beweismaterial geht eindeutig hervor, daß man sich in den Firmenleitungen von DLW und RLB der Tragweite des Treibens bewußt war. So rief Walter Schaechterle am 9. Dezember 1968 den geschäftsführenden Gesellschafter von RLB, Walter Holtkott, an, um ihn über den Inhalt einer Absprache zu unterrichten. In einer Notiz über das Gespräch heißt es: "Schaechterle möchte lieber davon Abstand nehmen, uns eine Aktennotiz zuzuschicken, sondern es bei dieser fernmündlichen Unterrichtung bewenden lassen." Und bei RLB hieß es in einer Notiz: "Die Niederschrift vom 10. Juli über die Besprechung mit DLW können wir in der vorliegenden Form nicht bestehen lassen, da sie eindeutig gegen das Kartellgesetz verstößt."

Dem Gericht wollten die Bosse freilich weismachen, sie hätten von der Illegalität ihrer Absprachen nichts gewußt. Hans Ruf, Vorstandsvorsitzender der DLW, erklärte zum Kartellgesetz, es sei "in der Wirtschaft das unbekannteste Recht. Wir haben es jetzt gelernt." Alfred Holtkott, Gesellschafter der RLB, bestätigte: "Wir kennen das Kartellgesetz nur am Rande." jn