DIE ZEIT

Neue Nessie

Da kann Schottlands Nessie nur vor Neid erblassen. Dieser Aufwand im norwegischen Sogne-Fjord: Schiffe und Flugzeuge waren vierzehn Tage im Dauereinsatz, und fast wären auch noch zwei britische Spezial-Hubschrauber in Aktion getreten.

Rache oder Recht?

Am vergangenen Sonnabend wurde das deutsche Publikum – nicht nur in Frankfurt – in Bann gehalten durch das, was sich dort auf dem Flugplatz abspielte: Fast 24 Stunden lang verhandelte die Polizei mit einem Mann, der eine Maschine der Air Canada in seine Gewalt gebracht, eine Stewardeß als Geisel genommen und erpresserische Forderungen gestellt hatte.

Trennstrich statt Schrägstrich?

Nicht die Koalition, die Opposition hat in den acht Tagen nach der Wahl die Schlagzeilen der Zeitungen beherrscht. Mit aller Macht sind die Differenzen zwischen CDU und CSU aufgebrochen, kaum daß auch die letzten Bindeglieder ihrer Einheit zerbrochen sind: Die Klammer der Macht ist schon 1969 geborsten; die Repräsentation in hohen Staatsämtern ist weiter dezimiert; die Hoffnung auf baldige Rückkehr in Ämter und Würden, von der sich die Union drei Jahre lang bereitwillig hat treiben lassen, ist nun auf absehbare Zeit dahin.

Verzögerter Friede

Auch Henry Kissinger kann keine Berge versetzen. In ein paar Tagen wollte er die letzten Steine auf dem Weg zum Frieden in Vietnam weggeräumt haben, noch vor dem ersten Advent sollten die Waffen schweigen.

Zu den Quellen

Schon einen Tag nach ihrem Wahlsieg hat die SPD eine Dokumentation angekündigt, die „alle Auswüchse des Bundestagswahlkampfes der CDU und der CSU und ihrer Hilfstruppen“ verzeichnen soll.

Zeitspiegel

Die DDR soll der Sowjetunion helfen. Wie das amerikanische Nachrichtenmagazin Newsweek meldet, hat Moskau die Genossen in Ostberlin ersucht, bei der Ausbildung von arabischen Piloten und Offizieren mitzuhelfen.

Nordirland: Irischer als die Iren

In der Geschichte der IRA, die 1970 von dem amerikanischen Politologen J. Bowyer Bell geschrieben wurde, kommt der Name Mac Stiofain überhaupt nicht vor.

,,Wir müssen weg von der Klagemauer“

Walther Leisler Kiep: Zunächst müssen sich die Unionspolitiker einmal darüber klar werden: Verlierer sind wir alle. Das gilt für alle Exponenten unserer Partei – quer durch die Vereinigungen und die Landesverbände, und das gilt natürlich auch für die CSU.

Wahl des Bundestagspräsidenten: Vier Frauen für ein Halleluja

er den Tiger zuerst am Schwanz zog, ist nicht klar, Herbert Wehner oder Willy Brandt. Einigermaßen verbürgt ist die Version, daß Brandt – nach vorhergehender Absprache mit Helmut Schmidt und Herbert Wehner – an den SPD-Fraktionsvorsitzenden als „Dienstältesten“ die Frage richtete, ob er Präsident des siebenten Deutschen Bundestages werden wolle.

Berliner Stimmrecht: Alliierte mauern

Wieder einmal ist Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Schütz mit einem seiner Lieblingsthemen vor die Öffentlichkeit getreten: dem Stimmrecht für Berliner Bundestagsabgeordnete.

Staatsminister: Vertreter gesucht

Fanferlieschen hat schöne Füßchen, nicht zu lang, nicht zu kurz; schüttle mir aus Deinem Schurz einen guten Staatsminister – Herr, da ist er!“ Des Dichters Clemens Brentano Märchengestalt, die Minister aus der Schürze schüttelt, könnte dieser Tage in Bonn sehr wohl gebraucht werden: Weniger bei der Suche nach Kabinettsbewerbern für die zweite Regierung Brandt/Scheel als nach deren künftigen Stellvertretern, für die der Name „Staatsminister“ in Aussicht genommen ist.

Krisenkalender Nahost: Arabische Agonie

Keines der drei Ereignisse, die in den fünf Jahren nach dem Junikrieg von 1967 auf arabischer Seite neue Tatsachen schufen, haben die Konfliktsituation grundlegend zu verändern vermocht – weder in Richtung Frieden noch in Richtung Krieg.

Wolf gang Ebert: Lobbyisten-Alltag

In gewissen Kreisen der Wirtschaft ist man dabei, sich von dem Schock des 19. November zu erholen und sich auf die nicht ganz erwartete Lage einzustellen.

Portugal – UN: Milde Resolution

Einstimmig hat der UN-Sicherheitsrat Mitte voriger Woche Portugal aufgefordert, alle „militärischen Operationen“ und alle „Akte der Unterdrückung“ in seinen afrikanischen Territorien einzustellen.

Verstimmung zwischen CDU und CSU

Die Wahlniederlage der Union hat schneller als erwartet zu inneren Auseinandersetzungen geführt. Am Freitag voriger Woche stellte der CSU-Vorsitzende Strauß, über CDU-Kritik an-, seiner Wahlkampfführung verstimmt, die – 23jährige Fraktionsgemeinschaft von CDU und CSU im Bundestag in Frage.

Südkorea: Erfolg für Park

Südkorea hat sich, in „freier“ Abstimmung, endgültig zu einer auf das Militär gestützten Präsidialdiktatur gewandelt. Mitte voriger Woche entschieden sich 90 Prozent der 15,6 Millionen Wahlberechtigten für den von Präsident Park Chung-Hee vorgelegten Verfassungsentwurf.

Kompromiß bei der KSZE-Vorkonferenz

Auf ihrer fünften Arbeitssitzung konnten sich die Vertreter der 34 Staaten, die am Mittwoch voriger Woche in Helsinki zu den vorbereitenden Gesprächen für die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) zusammengetreten waren, am Dienstag über die Verfahrensregeln einigen.

England: Erste Niederlage

Einer Fronde von konservativen EWG-Gegnern und Rebellen gegen seinen Regierungsstil verdankte der britische Premierminister Heath seine erste Niederlage im Unterhaus.

Dokumente der ZEIT

Antwort: „Im Text des Vierseitigen Abkommens wird ausschließlich nur von Berlin (West) bzw. den Westsektoren gesprochen. Dieselbe exakte Beziehung auf Westberlin enthält bekanntlich das offizielle sowjetischamerikanische Kommuniqué über den Besuch Präsident Nixons in der UdSSR.

Die DDR zog gleich

Einen Tag nach der Aufnahme in die UNESCO als 131. Mitglied wurde der DDR am Mittwoch voriger Woche offiziell ein Beobachterstatus bei den Vereinten Nationen eingeräumt.

Neuseeland: Labour gewann

Mit einem „Erdrutsch“-Sieg hat die Labour-Partei Neuseelands, am vorigen Samstag die Parlamentswahlen – zum drittenmal in der Geschichte des Landes – gewonnen.

Aktuelle Krisenherde

Die Hoffnungen auf einen baldigen Frieden in Vietnam sind weiter geschwunden. Die seit Beginn voriger Woche laufende neue Gesprächsrunde Kissinger–Le Duc Tho wurde am Wochenende unterbrochen.

Der große Brückenschlag

Die Ideologie des amerikanischen Globalismus wurde 1961 in Präsident Kennedys Inaugurationsrede ausgebreitet. Der sowjetische Rückzug während der kubanischen Konfrontation im Jahre 1962 verdeutlichte auf dramatische Weise die amerikanische Überlegenheit.

Sicherheitskonferenz in Helsinki: Stunde der Kleinen

Die ersten Eindrücke in Helsinki sind verwirrend. Delegationen von 34 Ländern treffen zusammen, um eine Traktandenliste und Geschäftsordnung für die große Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) aufzustellen.

SALT-Kontakte in Genf: Satte Atomriesen

Zu keiner Zeit seit der Explosion der ersten Atombombe haben die beiden Giganten – die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion – ihre Nukleararsenale schneller vergrößert und qualitativ einfallsreicher verbessert als in dieser Periode ihrer ersten Vereinbarungen über eine Begrenzung der strategischen Rüstungen.

Beifall nach dem Todesschuß

Am Samstag, dem 25. November, 14.47 Uhr, traf in einer DC 8 der Fluggesellschaft Air Canada auf dem Sektor 134 des Frankfurter Rhein-Main-Flughafens ein Scharfschütze den 58jährigen Flugzeugerpresser Viktor Widera mitten ins Herz.

Lokalzeit: Heimathymne

Was den Buxtehudern ihre Has’-und Swinegel-Mär ist, konnte dem benachbarten Stade das Gerücht vom Dornröschenschlaf nicht sein.

Affäre bei „medico international“: Spesenritter mit Spenden

Eine Affäre um ihren Gründer und Geschäftsführer, der mit Spenden seinen Urlaub finanzierte und seine Freundin aushielt, hat medico international eine Frankfurter Hilfsorganisation, die gegen Katastrophen in aller Welt kämpft, jetzt selbst an den Rand einer Katastrophe gebracht.

Schüsse gegen Zigeuner: In Treue fest

Springers Bild hat in dem kleinen niederbayerischen Dörfchen Niederthann Freunde verloren. „Das ist doch unmoralisch“, entrüstet sich Vizebürgermeister Eisemann, „da sieht man mal, wie die wegen der Auflagensteigerung die Wahrheit glatt verdrehen.

Die ersten 150 Tage des Münchner OB: Ins Fettnäpfchen

Im Münchner Rathaus ist der stickige Pulverdampf der bundesweiten Wahlschlacht offensichtlich noch nicht verflogen. Oberbürgermeister und Stadträte der beiden großen Parteien sind eifrig damit beschäftigt, sich gegenseitig Fallen zu stellen und einander zu provozieren.

Aktion „Offene Grundschule“: Initiative

In Hessen sieht die CDU-Opposition die Grundfesten staatlicher (Schul-)Hoheit bedroht. Anlaß für ihre Sorgen ist die Bürgerinitiative „Offene Grundschule“.

Schlag auf Schlag in Kiel: Der Rektor sah rot

Dem amtierenden Rektor Designatus der Kieler Christian-Albrecht-Universität,Professor Hans Hattenhauer, gebührt nun der Ruf, bislang am schlagkräftigsten gegenüber Studenten zu gelten.

Amnesty International: Erfolg durch Kleinarbeit

Da müßte man eigentlich was tun“, meinte eine Passantin, aber sie ging weiter. Für einen Augenblick war sie vor dem Informationsstand von Amnesty International stehengeblieben, den Hamburger Helfer anläßlich der Woche des politischen Gefangenen auf der Mönckebergstraße aufgebaut hatten.

Geburt einer Nation

Die Teilung Britisch-Indiens im Jahre 1947 und das Entstehen des Staates Pakistan hatten die Entwurzelung von Millionen von Menschen zur Folge.

Hamburger Kaufmannsschaft: Der Handel kam zu kurz

Es ist nicht nur eine Folge des Eindringens marxistischer Geschichtsvorstellungen in die historischen Seminare, sondern auch eine Mode-Erscheinung, wenn die Geschichtswissenschaft heute dem Einfluß von Klassen, Gruppen und Schichten, von Vereinen, Verbänden, Kammern und anderen Zusammenschlüssen mehr Aufmerksamkeit widmet als dem Wirken und der Bedeutung des Individuums: Wie weit einzelne Männer die Geschichte „machen“, hat man solange erforscht, daß eine Wendung der Historiker zu den Männerbünden des 19.

Von Tirpitz bis Dönitz: Unheimliche See

An Worten wie „Hochseeflotte“, „U-Boot-Krieg“, und „Seemacht“ oder eben „Seegeltung“ wetzen nicht nur Historiker und Politologen die Feder.

Die große Verwirrung

Der Realismus geht um. Seit gut einem Jahr wandert er durch die Galerien und Kunstvereine, wobei, wieder einmal, der amerikanische Anstoß es war, der auch kontinentalen Mut zu eigenen Entdeckungen freisetzte.

Amerikaner in Stuttgart

Widerlegen die Fotorealisten die Meinung, daß man heute keine Bilder mehr malen könne, oder haben sie die Malerei endgültig in eine trostlose Sackgasse manövriert? Fragen über Fragen, ausgelöst vom spektakulären Europadebüt der transatlantischen Novität auf der Kasseler documenta 5.

Sowjets in Baden-Baden

Ist es haltbar, wenn man in der Baden-Badener Kunsthalle (bis zum 25........................................................

Zum Tode des Architekten Harns Scharoun: Götter und Schafe

Und wenn nur er dieses eine Haus für die Musik gebaut hätte, so hätte es doch genügt, ihn unsterblich zu machen. Die Berliner Philharmonie ist Hans Scharoun, in unserer Imagewelt ist sie auch Berlin, und wenn man sich schon im Strudel der Huldigung dreht, kann man auch gleich Deutschland sagen.

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