Mit weißem Rum wollen deutsche Hersteller an der Mixwelle verdienen

Als der Hamburger Getränke-Importeur Charles Hosie vor 15 Jahren unter der Marke „Bacardi“ einen weißen Rum auf den deutschen Markt brachte, quittierten die etablierten Flensburger Rumherren diesen Schritt nur mit einem müden Lächeln.

Was sie damals belächelten, tun sie jetzt selbst: Seit etwa zwei Jahren wird der Handel von einer wahren Flut weißer Rumsorten überschwemmt. So präsentierte Deutschlands führendes Rumhaus, die Flensburger Firma Pott, ihren „Pott white“, Dethleffsen („Balle“) kreierte „Caribean Gold“, Hansen in Flensburg „Eis Rum“ und das zum amerikanischen Spirituosentrust Seagram gehörende Kieler Unternehmen Lehment „Polar white label“. Aperitifproduzent Martini lancierte seinen „Dakita“, die Sektkellerei Henkell über die Flensburger Tochterfirma Holst einen „Holst – white“ und das Bremer Spritwerk Eggers & Franke seinen „White Clipper“.

Frühstarter Hosie kann den Konkurrenzkampf mit den Nachzüglern aus einer Position unangefochtener Stärke aufnehmen. Sein Bacardi, den ein vor der Machtübernahme Fidel Castros von Kuba auf die Bahamas ausgewichenes Familienunternehmen gleichen Namens produziert, verteidigt in der Bundesrepublik einen Marktanteil von 60 Prozent. Allerdings entfallen von der bei uns verbrauchten Rum-Menge (Umsatz: rund 500 Millionen Mark) immer noch 97 Prozent auf braune Marken.

Die Chancen der Rum-Importeure, ihren weißen Sorten in den nächsten Jahren zu größerer Marktgeltung zu verhelfen, sind jedoch günstig. Denn immer mehr Bundesbürger steigen mit Rücksicht auf ihre Gesundheit und aus Angst, beim Konsum härterer Sachen in die Netze der Verkehrskontrollen zu geraten, auf leichtere Getränke, vor allem auf Longdrinks wie Gin-Tonic, Cuba-Libre oder Wodka-Lemon um. Daneben spekulieren die Manager auf die steigende Zahl von Ferntoüristen, die auf ihren Reisen Bekanntschaft mit raffinierten Cocktails auf der Basis von Zuckerrohrschnaps machen. Alfons Askamp, Geschäftsführer bei Dethleffsen, verspricht sich vor allem von den immer mehr gefragten Reisen in die Karibik positive Wirkungen für sein „Caribean Gold“: „Da ist noch eine Menge für uns drin.“

Für die deutschen Rumhäuser kommt es jedoch nicht nur darauf an, den Umsatz zu erhöhen. Von einem Erfolg der neuen Spezies versprechen sie sich auch eine bessere regionale und jahreszeitliche Struktur ihres Geschäfts. Denn noch immer werden rund 70 Prozent des im Bundesgebiet abgesetzten Rums in Norddeutschland, vor allem in unmittelbarer Nähe der Küste verkauft. Da hier der Rum traditionell in Verbindung mit Tee oder in Grogs getrunken wird, liegt der Schwerpunkt des Geschäfts in der kalten Jahreszeit. Folge: Milde Winter hinterlassen in den Umsatzstatistiken meist deutliche Spuren.

Da der weiße Rum vor allem auf dem Höhepunkt der Mixwelle im Sommer gekauft wird, erhoffen.sich die Marktstrategen von einem Erfolg ihrer neuen Marken eine wesentlich ausgeglichenere Geschäftslage. Die Hoffnung, daß sich dadurch auch das Nord-Süd-Gefälle abbauen lassen werde, haben die bereits erfahrenen Bacardi-Verkäufer jedoch inzwischen wieder aufgegeben.